Hühnchenmißhandlung, ärztlich begründet

Im Hühnerstall hupt es.

Nachdem ich mich mal wieder beim Hahn unbeliebt gemacht hatte, weil ich jedes Huhn polizeimäßig mit der Taschenlampe angeleuchtet hatte, standen die „Übeltäter“ fest: Betty und Babettchen sind erkältet und bei jedem Ausatmen macht es leise „huuup“.

Die beiden wurden zwecks besserer Erreichbarkeit in den Gluckenstall verfrachtet, dabei sah ich dann, daß Betty wieder ein entzündetes Öhrchen hat. Hatte sie schon einmal, nur hatte ich die verklebten Federn damals für Dreck gehalten und die Sache erst mitbekommen, als es sich (zum Glück) schon von selbst erledigt hatte.

Wenigstens lohnt sich dann die Tour zum Tierarzt.

Aus termintechnischen Gründen mußte ich um einen Tag verschieben und ertappte ein weiteres Schniefi im Stall, was aber noch nicht näher identifiziert wurde.

Beim Tierarzt lernte ich dann eine schicke Riesenschnauzerdame kennen, die diesen ungastlichen Ort so schnell wie möglich verlassen wollte.

Babettchen hielt eine aufmunternde Rede, aber es half nix, wäre der Fußboden nicht so glatt gewesen, hätte die Frau Riesenschnauzer vermutlich Herrchen samt Stuhl rausgeschleift. Dabei sollte sie nur eine Spritze bekommen. Wir waren ziemlich gleichzeitig eingetrudelt, aber es war klar, daß dieses Häufchen Elend zuerst drankommen mußte, die regte sich mit jeder Minute mehr auf.

Die Hühner waren cool, Betty beschränkte sich auf würdevolles Aussehen, Babette quatschte bißchen, machte aber dankenswerterweise keinen Großalarm. Vielleicht, weil sie wegen ihrem Kamm für einen Hahn gehalten wurde.

Dann waren wir an der Reihe, Schniefi Babette war uninteressant, alles, was schnieft, wird extra gesetzt und bekommt Medizin übers Trinkwasser verabreicht. Da wurde das noch unerkannte Schniefi daheim gleich mit eingerechnet.

Betty kam nicht so leicht davon: ihre Kopfhaut wurde fast auf links gedreht, die Krusten an den Ohren abgerupft und die Ohren, die schlimmer entzündet waren als von außen erkennbar, ausgeräumt.

Mein armes Huhn trillerte und strampelte verzweifelt und stellte fest, daß die Hundedame mit ihren Befürchtungen doch nicht so daneben lag. Am Schluß bekam sie noch Salbe in die Öhrchen und wurde wieder verpackt, als Zeichenihres Protestes hatte sie einen Schneesturm aus Federhülsen auf dem Tisch hinterlassen (Houdini war da mal deutlicher in ihrer Verachtung).

Verständlicherweise traut mir Betty jetzt nicht mehr über den Weg. Morgen müssen wir zur Kontrolle hin.

Außerdem sitzen jetzt Betty, Babette und Houdini in Sing-Sing, bei gruselig aussehendem gelben Wasser (erinnert mich jetzt an „Folsom Prison“…) und mit ziemlich schlechter Laune. Bis Montag müssen sie durchhalten.

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