Überfall am Frühstückstisch

Es gibt Dinge, da bin ich bekennend unflexibel.

Zum Beispiel beim Frühstück.

An Brot oder Brötchen kaue ich ewig rum und werde nie fertig (mein wertes Mütterlein kann das bestätigen), deshalb bin ich irgendwann auf Körnchen umgestiegen, wie sich das für eine Spottdrossel gehört. Die kann ich in ordentlicher Geschwindigkeit aufpicken, nur bleibe ich davon – obwohl es jetzt nicht nur gezuckertes Knusperzeugs war, sondern auch „richtige“ Getreideflocken beigemischt wurden- nicht lange satt.

Aus figurtechnischen Gründen wurde dann Quark mit Früchten und paar Körnchen empfohlen.

Hatte grundsätzlich funktioniert, macht aber nur Spaß, solange man eigene (und süße!) Beeren hat, das TK-Zeugs ist meistens ziemlich indiskutabel.

Und nach einem Sommer konnte ich keinen Quark mehr sehen, besonders, wenn´s hier im Winter morgens 15 Grad sind, dann brauche ich definitiv keinen erfrischenden Quark mehr…

Also mußte das Müsli (Anmerkung für die Leser aus der Schweiz: wie ich letztens gelernt habe, heißt das bei euch Muesli und Müsli ist eine kleine Maus – ich habe KEINE Umschulung zur Eule gemacht und überlasse die Mäuse weiterhin dem diensthabenden Schuhuu im Garten) entsprechend angepaßt werden, in diesem Fall mit Kokosmilch, gerösteten Sojakernen und Sonnenblumenkernen.

Wie sich schnell herausstellte, werde nicht nur ich davon satt.

Inzwischen ist es so, daß Lilly schon aufgeregt im Regal herumtrippelt und von oben eifrig mitverfolgt, ob auch genug Sonnenblumenkerne in der Schüssel landen.

Während die flüssigen Komponenten reingekippt werden, geht sie in Warteposition.

ziegensittich.jpg

Da der kleine Vogel keine Riesemengen Sonnenblumenkerne futtern soll, fische ich jetzt als Kompromiß ein paar zerbrochene Körnchen raus, die ich ihr anbiete. Aber Madame ist ja nicht blöd, letztens wurde das kleine Körnchen fallenlassen und mit entschlossenem Schritt die Müslischüssel geentert, um sich da einen richtigen Kern rauszufischen.

Einmal hat sie eine fälschlich entnommene Haferflocke wieder ordentlich zurückgelegt, zugunsten von einem Sonnenblumenkern.

Wenn Sherlock nicht gerade ein ausgewähltes Pfuibäh am Wickel hat, steht er in zweiter Reihe und kommt angeflitzt, wenn Lilly mit ihrem Körnchen auf dem Stuhl sitzt (sie frißt nie direkt vor Ort, sondern trippelt mit dem Kern im Schnabel auf „ihren“ Stuhl, wo das Körnchen dann andächtig gemümmelt wird).

Dezent und zurückhaltend, wie er nunmal ist, hockte er letztens breitbeinig und zu allem entschlossen auf dem Schüsselrand und mußte höflich, aber bestimmt von da entfernt werden, weil ich ihm ohne weiteres zutraue, daß er mit seinen großen Füßen mit Schwung die ganze Schüssel ausschaufelt, auf der Suche nach dem Premiumkörnchen (das befindet sich laut Sittichlegende IMMER ganz unten in einer Schüssel).

Der neueste Trick des kleinen, gelben Gandhi-Sittichs ist jetzt, nicht nur morgens, sondern auch beim Mittags- und Nachmittagsausflug mit großen Augen zu fragen:

„Hast Du Körnchen?“

Langsam fühle ich mich hier bißchen unter Druck gesetzt…

 

ziegensittich.jpg

Lilly

4 Kommentare zu “Überfall am Frühstückstisch

  1. Oh das mit Quark kenn ich, hatte ich auch schon mit körnigem Frischkäse 🙂 Und mit Kokosmilch schmeckts? Hast du da eine Spezielle? Weil die in den Dosen ist ja meistens Wasser + Kokosmark bis man es erhitzt… Och ich glaub ich könnt den Kulleraugen keinen Wunsch abschlagen

    • In Kombination mit bißchen Schokoknusper schmeckt es bounty-mäßig. Bei den Sorten habe ich jetzt festgestellt, daß die Biovariante am meisten Wasser enthält, erst hatte ich kleinen Tetrapack, dann großen (der war aber insgesamt teurer und was sich abgesetzt hatte, landete in einem leckeren Curry), im Moment habe ich Dosenzeugs und da zwei Löcher reingepiekst wie bei der Kondensmilch. Am Ende wird die Dose aufgemacht und was nicht rauskommen wollte, landet in einer Soße.
      Ich kippe aber nicht nur Kokoszeugs aufs Müsli, nur 3 bis 4 EL zur gefälschten Milch.

  2. Zu Quark kontra Kokosmilch kann ich nichts beitragen, weil ich mich morgens mit (selbstgebackenem) Brot verköstige.
    Aber lass dir von einer Schweizerin gesagt sein, dass es nicht Muesli, sondern Müesli heisst. Tönen tut es in etwa wie „Müü-äsli“. Und schmecken – nun das kommt dann eben auf den Quark, die Beeren und den Zuckergehalt an.

  3. Tolle Geschichte, wunderbar geschrieben. Am Besten gefällt mir die Szene, bei der eine versehentlich entnommene Haferflocke wieder ordentlich zurückgelegt wird (!!!). Und da sagt Tieren nach, sie hätten kein Benehmen!

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