Den Sittich, den ich rief…

…den werd ich nicht mehr los.
So ähnlich geht es dem herzallerliebsten Schatz momentan.
War der Lillyvogel am Anfang höchst zufrieden damit, die Fluchtdistanz nach eigenem Ermessen bestimmen zu können (mit ihrem zu kleinen Käfig kam ja Freund & Feind zu dicht an sie ran), hat sich das inzwischen dank Sonnenblumenkernen deutlich geändert.
Es begann mit wiederholtem Körnchendiebstahl aus meiner Müslischüssel, dann bekam sie die Körnchen auf der Fingerspitze hingehalten, als das klappte, fing der herzallerliebste Schatz an, das Körnchen immer weiter oben auf seinem Arm zu deponieren, bis Lilly auf seiner Schulter saß.
Je nach Laune wird das Körnchen als Takeaway mit in den Käfig genommen oder -meistens, wenn man gerade Holz nachlegen müßte oder aus anderen Gründen keinen Geier auf der Schulter braucht- sie setzt sich höchst ordentlich hin; balanciert auf einem Füßchen und hält in dem anderen den Kern, von dem sie mindestens fünfmal abbeißt. Das dauert…
Ein typischer Morgen sieht so aus, daß der herzallerliebste Schatz sich hinsetzt, die Zeitung aufblättert und dann kommt ein gelber Vogel quer über den Tisch gehopst, trippelt seinen Arm hoch, positioniert sich auf der Schulter mit großen Kulleraugen und „ich bin süß!“ auf dem Display.
Glaubt jetzt nicht, mit einem Körnchen wäre das erledigt – an manchen Tagen ist sie wie Pattex, kaum wurde sie per Bestechung auf meine Hand gelotst, hopst sie runter, zischt wieder seinen Arm hoch – „bin immer noch süß!“.
Wie soll man den Vogel jetzt höflich loswerden? Außerdem kann sie auch nicht Unmengen Sonnenblumenkerne essen.
Da sie jetzt definitiv nicht mehr schüchtern ist, will ich es nochmal mit Clickern versuchen. Der „echte“ Clicker hat den Vögeln Angst gemacht, meine Reitlehrerin, die fast alles clickert, was sich bewegt, hat empfohlen, für so kleine Tierchen einfach einen Kugelschreiber zu nehmen.
Davon ist genug im Haus, fehlt noch ein Zauberstab, genannt „Target“ (=Ziel), an den sich das Tier gewöhnen soll, damit man ihm z.B. zeigen kann, wo es sich hinsetzen oder wo es entlanglaufen soll.
Für Sittiche ist mir ein Stöckchen überdimensioniert, aber im Bad vegetierte noch so eine ungenutzte Dentalzwischenraumtannenbäumchenzahnbürste herum, mit wunderbar rotem Kopfstück.
Das Tannenbäumchen mit Drahtkern wurde wegen Verletzungsgefahr per Zange gerodet und voila – es ist perfekt.
Lilly machte allerdings ihr „das ist kein Körnchen!“-Gesicht, als ich ihr das Ding zum Besichtigen und Beschnäbeln hinhielt (unsere Sittiche sind recht selektiv mit ihrer Neugier – alles, was man nicht essen oder zerlegen kann, ist laaaangweilig), deshalb werden momentan die Körnchen mit der Zahnbürste serviert.
Mal sehen, wann sie kapiert hat, daß es Futter gibt, wenn man dem Ding hinterherzischt.
Noch schwieriger ist beim Clickern, das WIR diszipliniert und konsequent sein müssen – ich bin gespannt.

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