Clickertraining bei Sittichen

Zu meiner Schande muß ich gestehen, ich dachte ursprünglich, daß man so kleinen Vögelchen kaum was beibringen kann und man für Tricks aller Art schon mal „mindestens“ einen Papagei braucht, wo der Prozessor etwas leistungsfähiger ist.
Nachdem meine Reitlehrerin mir von dem Clickerhühnchen Berta erzählt hatte, habe ich mir ein schlaues Buch geholt und war erstaunt, was alles geht.
Man muß halt alles passend zum Naturell des Tieres machen, je nachdem, wo das Tierchen in der Nahrungskette steht, reagiert es unterschiedlich. Ob Pferd, Hund oder Vogel, die natürlichen Verhaltensweisen, die das Tier anbietet und auf denen man aufbaut, sind verschieden.
Der Trick beim Clickern ist das Target (=Ziel). Ihr habt vielleicht schonmal Seehunde gesehen, die so einen Stock mit Ball dran anstupsen. Das ist das selbe Prinzip. Als erstes soll das Tier lernen, das Target anzustupsen, danach kann man sich damit „verständigen“, daß man das Target da hinhält, wo man das liebe Tierchen haben will.
Bei uns ist das Target eine gerupfte Interdentalzahnbürste – Schaschlikspieß mit Perle drauf wäre mir bei Shelock zu riskant.

clickertraining.jpg

Jetzt kommen wir zu den bauartbedingten Unterschieden in der Reaktion: ein Hund würde am (entsprechend in der Größe angepaßten) Target schnuppern, ein Pferd würde es evtl. aus Neugier anstupsen und beschnüffeln, und ein Vogel…

clickertraining.jpg

… fragt stattdessen: „Hast Du Körnchen?“

Die sind ja nicht doof.
Körnchen gab es bisher immer vom Finger, was soll man also mit dem komischen roten Ding anfangen?
Deshalb haben wir als nächstes das heißbegehrte Sonnenblumenkörnchen unter das rote Ende vom Target gelegt, damit sie das Ding per Schnabel wegräumen mußten.
Die Sache war schnell begriffen: rotes Ding beschnäbeln, und es gibt Körnchen.

Die sind da wie die Haie und die Technik kommt manchmal nicht hinterher.

clickertraining.jpg

Ein sehr zufriedener Beutegeier:

clickertraining.jpg

Nach einer Weile „sitzt“ das mit dem roten Ding, und man läßt sie erst reinzwicken und liefert danach das Körnchen ab.

clickertraining.jpg

Ab dann muß man „nur“ noch überlegen, was man als nächstes üben will, wie man das in Einzelschritte zerlegt und -nach dem ersten Probelauf- seine eigenen schlauen Ideen an die Praxis mit Vogel anpassen. Da der Vogel an das Target rankommen will, sind so Sachen wir auf die Schulter laufen/fliegen, dem Target hinterherflitzen oder auf die Hand kommen dem Vogel leicht zu erkären.
Der Geier weiß (hihi, weiß der Geier…) was man von ihm will, ob er es auch macht, entscheidet er selber.
Das finde ich beim Clickern sehr angenehm, es ist absolut kein Druck da.
Wenn der Vogel ein skeptisches „ich weiß nicht“-Gesicht macht, geht man eben mit dem Schwierigkeitsgrad einen Schritt zurück.
Wie man sieht, hat Lilly einen Heidenspaß dabei:

clickertraining.jpg

Ich denke, sie nutzt es auch schamlos aus, daß sie durch uns die Rangordnung unterlaufen kann – wenn Sherlock noch „ich weiß nicht“ denkt, kommt der kleine, gelbe Hai angeschossen und schnappt sich das Körnchen.

clickertraining.jpg

Dem Target nachflitzen

Jetzt hätte ich ja beinahe die Sache mit dem Clicker vergessen.
Auf dem Bild seht ihr, daß der herzallerliebste Schatz noch einen Kugelschreiber in der Hand hält (das größte Rätsel beim Clickern ist, was man wie wann in der Hand unterbringen muß). Wenn der Vogel das Körnchen erbeutet hat, klickt man einmal. Der Vogel verbindet das Klicken mit dem leckeren Körnchen.
Im Moment ist das noch nicht so wichtig, aber wollte man jetzt etwas komplizierteres üben, nehmen wir mal an, der Vogel soll das Füßchen heben, dann muß man punktgenau sagen können „diese Bewegung war körnchenwürdig, Körnchen kommt gleich“. Ist das Füßchen nur minimal in der Luft, gibt es einen Klick und der Vogel weiß, aha, Füßchen soll gehoben werden, danach Körnchen.
Würde man ohne Klick einfach nur danach ein Körnchen abliefern, wüßte das Tier ja nicht, WAS es jetzt von allen gemachten Aktionen (Fuß heben, Fuß absetzen, Popowackeln, zum Körnchen laufen) richtig gemacht hatte.

Lilly hat mal wieder alles richtig gemacht:

clickertraining.jpg

Feierabendkörnchen

9 Kommentare zu “Clickertraining bei Sittichen

    • Der grobmotorische Herr hat letztens wieder ein Highlight geliefert, als er feldherrenmäßig einen Ast hochmarschierte, das Ziel so fest im Blick, daß er nicht merkte, als der Ast zu Ende war.
      Er baumelte dann als unwürdiges, federiges Obst an einem Bein 😀 .
      Ansonsten ist er ziemlich aufgeregt, wegen den Flugverkehrs-Rowdies vor dem Fenster im Allgemeinen und Frühling im Besonderen. Er hält dann flammende Reden – ich muß wirklich mal ein Diktiergerät organisieren, dann gibt´s Sherlock-Podcast.

  1. Ich bin wirklich beeindruckt. Bisher kannte ich das nur von einer Bekannten mit ihrem Hund, aber mit so kleinen Vögelchen ist es wesentlich beeindruckender 🙂

  2. Suuuuuuuper …
    bei „Clickerhühnchen Berta“ musste ich schon so geiern (um mal beim Thema zu bleiben)
    Das hast du toll geschrieben und wunderbar erklärt …
    Und die Modelle auf den Fotos sind so süüüüß!

    Zauberhafte Grüße Katja

    • Danke 🙂 .
      Lilly ist leider wirklich unwiderstehlich, da muß man sehr aufpassen, daß sie nicht irgedwann aussieht wie eine kleine, gelbe Wachtel, so Mastsittich-mäßig…

  3. Das finde ich ja total super. Ich hab zwar noch nie von Clickertraining bei Sittichen gehört, aber ich denke das es bei jedem Tier funktioniert. Dein Beutegeier ist sehr hübsch, viel Spass beim Clickern.

    LG Soni

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s