Ich mache Blau

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, ist im Sommer alles Mögliche interessanter, als am PC zu hocken.
Außerdem fehlt mir das obligatorische Sommerloch-Tierchen, was für Abwechslung sorgt.
Stattdessen habe ich blau gemacht:
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Zwei Billigst-Baumarkt-Bänke werden mit schweineteurer Schwedenfarbe hoffentlich unsterblich gemacht.
Außerdem war mir aufgefallen, daß unsere Haustüre vermutlich ganz hübsch ist – wenn sie nicht gerade in 70er-Jahre-Karbiloneum-Schwarzbraun „erstrahlt“.
Also wurde die Hühnerstallfarbe ausgegraben und ein Rundumschlag gestartet.
Bei den Schwedenfarben gibt es ein 4-Stufen-Ritual: erst Grundieröl, dann Grundierung, dann zwei Lagen Farbe. Für den Hühnerstall hatte ich damals – damit sich´s lohnt- nur große Gebinde geholt und für über 400 € Farbe und Pinsel gebunkert.
Jetzt mache ich den Eimer mit Grundieröl auf und darin sitzt eine Qualle.
Vermutlich eine sehr wetterfeste Qualle, aber ich erbleichte dezent – waren jetzt sämtliche Farbvorräte hinüber?
Kontrolle: die Grundierung erfreute sich bester Gesundheit, das Blau zickte ein bißchen, nach abschnipseln einer beachtlichen Puddinghaut und Umrühren war sie aber wieder kooperativ.
Glück gehabt.
Beim Nachbestellen des Grundieröls fand ich dann auch den Hinweis von wegen, kleine Gebinde bestellen oder nach Gebrauch umfüllen – da die Eimer mit einer Blitzübersetzung auf Deutsch beklebt sind, war dieser Satz wohl irgendwie untergegangen.
Die Bänke wurden geölt, wobei sich mir wieder die Frage stellte, ob ich der einzige Mensch bin, der unfähig ist, einen Pinsel mehrfach zu verwenden. Ich kann die ausspülen, wie ich will, beim nächsten Einsatz sind sie trotzdem stocksteif.
Die Tür hatte ich angeschliffen, da reichte Grundierung, das Öl ist eher für frisches Holz, um Risse zu verhindern.
Ich grundierte, die Tür sah schön weiß aus, bis ich fertig war, hatte sie ein paar elfenbeinfarbige Flecken, wo sich die alte Farbe in heimtückischer Weise mit der Grundierung reaktiviert hatte.
Zweite Lage, wieder Flecken.
Jetzt wurde ich feige.
Das Blau würde die Flecken vermutlich abdecken, aber ein weißer Rand mit gelben Flecken? Geht ja gar nicht.
Umfangreiche Recherche, und siehe da: vom Entenstallbau gab es noch brauchbaren Isoliergrund. Er isolierte gar prächtig, nach drei Anläufen war die Tür endlich weiß.
Dann kam Blau, und siehe da, im Gegensatz zur Grundierung wollte die partout nicht trocknen.
Auf der Website gab es unter dem Stichwort „Fenster und Türenfarbe“ einen entsprechenden Hinweis zur verkürzten Trocknung, nur kaufe ich nicht für eine Tür einen teuren Eimer Farbe, wenn ich einen Rieseneimer ihrer trantütigen Schwester da habe.
Also Tag der offenen Tür.
Bei 30 Grad, um die Sache zu beschleunigen.
Der Denkfehler: unser neuer Kühlschrank wurde im kalten Flur geparkt, auf daß preiswerte Energieeffizienzklasse A dank kühler Umgebung zu einem gefühlten A+++ wird.
Das arme Ding war not amused und brummte vorwurfsvoll vor sich hin.
Ab sofort hatte ich also zwei Beschränkungen: nicht streichen bei Regen und nicht bei Hitze.
Folglich dauerte das Projekt deutlich länger als veranschlagt.
Jetzt, kurz vor dem glorreichen Abschluß, geht es noch langsamer, weil man nicht mehr fröhlich rumsauen kann, sondern liebevoll abkleben muß.
Für die Idee, auch an den Bänken Teile in Weiß abzusetzen, könnte ich mich gerade… aber hinterher sieht hoffentlich alles ganz toll aus.
Und nur Blau kann ja jeder.

7 Kommentare zu “Ich mache Blau

  1. Ich HASSE malen. Diese Pinselei, abscheulich!!!!
    Wir haben uns in Schweden etwas am Hühnerstall zu schaffen gemacht. In original Schwedischem Falun-Rot. Blau gibt’s derzeit bei uns nur am Himmel. Und das seit 10 Tagen non-stop.

    • Pinseln finde ich jetzt nicht so schlimm, aber abkleben nervt mich 🙂 .
      GsD ist die Farbe echt pflegeleicht und läßt sich super verarbeiten. Das Originalrot ist auch cool, aber irgendwie bin ich bei dem Blau hängengeblieben, weil so ziemlich jede Blümchenfarbe dazu paßt.Und mit den Originalfarben war ich feige, wegen dem Schwermetall.

  2. Blöde Frage vorweg: Was ist denn eine „obligatorisches Sommerloch-Tierchen“?

    Ich finde das mit dem Blau und dem Weiß ist Dir wirklich sehr gut gelungen, sieht richtig frisch aus 🙂

    Und hier noch ein Tipp um Pinsel sauber zu bekommen:
    Nach dem Auswaschen unter Wasser einfach ein bisschen Verdünnung in eine Schale geben und dort drin den Pinsel nochmal richtig „austupfen“ danach mit Wasser nachspülen, voilá. Mein Vater hat dafür immer ne kleine Dose Verdünnung im Haus, weil er keine Lust hat immer neue Pinsel zu besorgen.

    • Sommerloch-Tierchen sind enthüpfte Känguruhs, entflohene Kühe, die mit Hubschraubern verfolgt werden oder Schnappschildkröten am Baggersee, mit denen sich die Medien, wenn in der Politik nix los ist, beschäftigen können.
      Wenn noch kein Tierchen zur Verfügung steht – wie im Moment- schreibt man entweder gar nix (so mache ich das) oder bringt langweiligen Blödsinn, wie „Aktivisten“, die sinnlos vor irgendwelchen Zäunen herumfotografieren, oder interviewt jedes Kind, was irgendwie in Reichweite ist (HR-Fernsehen).

      • Ooooh danke für die Erleuchtung 🙂 Sowas Spannendes gibt es hierl eider garnicht. Ich hab zwischendurch auch immer wieder „Blogglöcher“ weil ich mir nichts aus den Fingern saugen will…. Hier gibts dafür Pappnasen, die es schaffen mit einem Corsa einen massiven Betonboller umzuholzen. Alle habens mitbekommen, nur ich saß mit geschlossenem Fenster im Büro und das ganze Tatüüü ging an mir vorbei (tolle Fenster, so gesehen)

  3. Das klingt ja förmlich nach einer Lebensaufgabe, sieht aber total schick aus 🙂
    Liebe Grüße von der Silberdistel, die vielleicht auch einmal Blau machen sollte. Da harren ihrer noch so einige Bänke und Tische

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