Entspannte Entchen

Die Anfangspanik hat sich gelegt.
Herr und Frau Entchen kreisen nicht mehr hektisch hupend im Garten herum, sondern liegen ziemlich entspannt in der Sonne und machen Yoga (man glaubt gar nicht, wie lang so eine Ente werden kann, wenn sie sich streckt).
Außerdem haben sie herausgefunden, daß man das lästige Grünzeug, was einem ständig ein Bein stellt, auch essen kann – sogar im Liegen, wie praktisch!
Das abendliche Einsperr-Ritual scheint sich auch einzuspielen. Vor paar Tagen hat mich Frau Entchen noch ausgetrickst; als ich die Tür zumachen wollte, ist sie mit einem „es ist eine Falle, es ist eine Falle!“-Gequake wieder rausgesaust.
Da ich Hunger hatte und dementsprechend mit meiner Geduld etwas begrenzt, wurde sie dann unbürokratisch verhaftet und in ihr Schließfach geräumt.
Zwar sind die Entchen schnell, aber dank ihrer äußerst ungünstigen Statik muß man nur warten, bis sie ins Kullern kommen und kann sie dann einsammeln.
Gestern standen sie dann quasselnd vor ihrem Stall und haben quasi Abendessen bestellt – geht doch!
Heute sind wir auch in Sachen Schwimmunterricht einen Schritt weiter.
Entgegen der landläufigen Meinung hatten sie meine Poolangebote abgelehnt, und auch, als ich sie ins Wasser setzte, weil ich dachte, nur die Sache mit dem Reinsteigen wäre unklar, gab es durchdrehende Füßchen und einen Blitzstart raus aus der Pfütze.
Stattdessen waschen sie sich mühsam aus dem Eimer.
Also wurden die verschmähte Mörtelwanne und das Schubkarrenoberteil wieder deaktiviert und eine niedrige Plastikwanne (ehemals Katzenklo-Legenest, wo aber die Befestigungsklipsies fürs Oberteil verschollen sind) steht direkt neben dem Eimer, um den Zusammenhang zu verdeutlichen.
Gestern stand Frau Entchen zumindest mit den Füßen drin, heute hat sie sich auch erst im Stehen gewaschen, bis ihr die Sache zu doof wurde und sie mit einem Plumps in der Wanne saß.
Na also.
Wenn die Plastikwanne akzeptiert ist, stelle ich die in das Schubkarrenteil, damit sie den Einstieg üben, und bis sie das silberne Schwimmabzeichen haben, habe ich auch die ausgediente Badewanne hierhergeschafft, die ursprünglich als Pferdetränke ergeiert wurde, aber wegen ungünstigem Verhältnis von Wannenbreite/Armspannweite des zuständigen Reinigungspersonals nicht eingesetzt wird und mir deswegen weitervererbt wurde. Für kleine Entchen dürfte sie ideal sein – wenn sie erstmal drin sind.
An Tag Nr. 2 hatten wir noch dezente Aufregung, Herr Entchen ist hartnäckig durch den Zaun gefluppt und hat dabei einen gigantischen Schnecken-Hauptgewinn gemacht.
Leider leistete die Schnecke Widerstand, zwar war er nach einem Moment Gewürge nicht mehr am Hecheln (größtes Problem schonmal gelöst) aber so ganz original sah das nicht aus, wie da orangenes Gelee aus seinem Schnabel quatschte, weshalb ich, statt mir Abendessen zu kochen, mit einem schlotternden Entchen im Bad stand (Ente im Waschbecken) und versuchte, an sein hartnäckig zusammengepreßtes Schnäbelchen heranzukommen, um die Schneckenreste irgendwie rauszuspülen.
Zwei Waschgänge und eine fassungslose Ente später saß er wieder in seinem Stall und beim abendlichen Kontrollgang war dann alles wieder in Ordnung.
Mittags bekommen sie jetzt ein halbes Döschen No-Name-Sheba, damit ich nicht mehr als Staatsfeind Nr. 1 eingestuft werde. Sie werden schon mutiger, was den Sicherheitsabstand angeht.
Nächste Woche dürfen sie dann unter Aufsicht (eher wegen den leicht selbstmörderischen Tendenzen als wegen krimineller Energie) im Garten rumwackeln.

5 Kommentare zu “Entspannte Entchen

    • Ja, spätestens, wenn ich irgendeinen würgenden Patienten am Wickel habe, frage ich mich auch, wo da der Unterschied zu eigenem Nachwuchs ist…
      Ein Punkt: man muß im Katastrophenfall keine Bettwäsche wechseln.
      Und, wie meine Freundin mir erklärte: das Viehzeug gibt keine frechen Antworten (wobei, da bin ich mir nicht so sicher).

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