Badetag (unfreiwillig)

Langsam war ich es leid, mit den Hunden immer auf den selben fünf festen Wegen zu kreisen. Deshalb kamen die schlimmlila Gummistiefel zum Einsatz und wir dackelten auf Toppsis Lieblingsweg am Waldrand entlang. Den Weg hatte ich in letzter Zeit vermieden, weil er bißchen doof ist: auf dem letzten Stück mit brusthohem Gestrüpp zugewachsen (offensichtlich ist der Weg für Jäger nicht relevant, sonst wäre er voll PKW-tauglich) und außerdem führt er, wie so viele Wege hier, in eine relative Sackgasse – man landet im Feld und hat keine Möglichkeit, daraus einen schönen Rundkurs Richtung Heimat zu machen. Die Feldwege sind traktorfreundlich an die Straße angeschlossen, und die verläuft in Serpentinen und da fährt jeder nach dem Motto „hier kommt nie einer“. Ich war einmal – aus der anderen Richtung- oberhalb der Serpentinen rausgekommen und hatte Blut und Wasser geschwitzt, bis ich samt Kötertieren wieder aus der Gefahrenzone raus war. Wanderfreundlicher Parallelweg: Fehlanzeige. Einmal bin ich sogar durch eine offizielle Wanderbeschilderung auf einer Straße gelandet, die schmal war und zu dem Zeitpunkt gerade den LKW-Verkehr einer Bundesstraße übernehmen mußte.

Herzlichen Dank, liebe Planer. Irgendwie glaube ich nicht, daß eine Mutter mit Kinderwagen da lang möchte. Landwirtschafltiche Gegenden sind meiner Erfahrung nach meistens freizeituntauglich. Entweder man landet dauernd wieder auf der Straße oder der Weg wird mal fröhlich wahlweise untergepflügt oder eingekoppelt.

Mit einem Pferd hätte ich hier regelmäßig größere Pannen, was die Wegesuche angeht. Und durch die Pferde kommt meine Abneigung gegen „auf dem selben Weg zurückgehen“. Das kann da nämlich richtig schiefgehen (das Pferd denkt: „Haha, ich weiß, wo Du hin willst – machen wir´s in meiner Geschwindigkeit!“). Mit den Hunden ist´s zwar wurscht, aber umdrehen macht mir einfach keinen Spaß.

Genug gemeckert. Die Gemeinde hat dem Weg einen neuen Haarschnitt verpaßt, und als „Ziel“ haben wir eine kleine Feldwegbrücke, die so gebaut ist, daß bei Hochwasser der Bach oben über die Brücke abkürzen kann. Im Sommer nutzen die Hunde gerne die Gelegenheit, mal in den Bach zu steigen, der ist da unterhalb der Brücke über paar Steine gut zu erreichen.

Links ist eine Betonkonstruktion, die das Wasser erst anstaut, dann in eine Art Überlaufbecken schickt und wenn das auch voll ist, ist auf dem Feldweg landunter.

So war es auch gestern, aber nur paar Zentimeterchen, wir sind gemütlich durchgelaufen, haben auf der anderen Seite der Straße einen weiteren Sackgassenfeldweg erforscht, dann ging´s zurück.

Toppsi war ein bißchen geladen, weil er an der Straße entlang neben mir bleiben mußte. Kaum war die Laufleine wieder freigegeben, schoß er los, auf die Brücke zu und wollte aus dem Überlaufbecken trinken.

Dank nicht angepaßter Geschwindigkeit bremste nur sein Vorderteil, das Heck wollte weiter geradeaus und der Hund machte eine Rolle vorwärts ins Wildwasserbecken.

Nach drei Waschgängen in dem türkisen und sicherlich recht erfrischenden Wasser schaffte er es, an den Beckenrand zu paddeln, und schaute mich mit SEHR großen Augen verzweifelt an.

Ach.

Auf einmal kann er mich beachten?

Die Stiefel haben sehr grobes Profil, im Schlamm genial, auf zivilisiertem Boden herrscht Rutschgefahr, weshalb ich vorsichtshalber in sicherer Entfernung blieb und nur per Leine Hilfestellung leistete.

Mit Unterstützung war er schnell wieder auf festem Boden.

Und ich kam -herzlos, wie ich bin- auf dem restlichen Heimweg aus dem Grinsen nicht mehr raus. Ich brauche dringend ein videotaugliches Handy…

Ein Kommentar zu “Badetag (unfreiwillig)

  1. Oh ich glaub es ist gut, dass ich keinen Hund hab, ich könnt da nicht standhaft bleiben, wenn er mich mit großen Augen anguggt :-/

    Die Feldwege bei uns sind auch net besser 😦 Ich bin ne ganze Weile mit Rollschuhen (neudeutsch Inlinern) da rumgekurvt und das morgens bei Dunkelheit bis Dämmerung mit Stirnlampe… Plötzlich ging es von superglattem neuem Asphalt auf eine Rumpelstraße mit Schlaglöchern und sehr unlustigen Wurzeln, die durch die Oberfläche brachen… Da hab ich dann doch sehr mit meinem Gleichgewicht kämpfen müssen :-/

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