Links – zwo – quäck – quäck

Als um sieben Uhr abends immer noch keine Ente am Pool auftauchte, hatte ich keine Ruhe mehr. Abendessen in den Backofen gestopft und die Entenjagd eröffnet.

Auf dem Grundstück nix zu sehen oder zu hören. Raus aus dem oberen Tor, der Weg am Waldrand ist gemäht, schön übersichtlich, aber aus Entensicht auch langweilig. Daß die Waldvögel um diese Zeit nochmal in Träller-Endspurt gehen, macht die akustische Fahndung nicht einfacher.

Ich glaube, ich höre was. Die ungemähte Wiese, ich kämpfe mich durch brusthohes Gras (was als Spätfolge eine mitternächtliche Großfahndung nach Anti-Schnief-Mittelchen nach sich zog) und tatsächlich, irgendwo quäckquäckt es dezent. Am Übergang zum Golfrasen der Nachbarn entdecke ich meine Dschungelkrieger.

Frau Entchen wirkt recht erleichtert, ich vermute, sie wurden sich über den Rückweg nicht einig und Herr Entchen war zu stolz, um mal nach dem Weg zu fragen.

Ich ging stückweise und freundlich quäkend – Konrad Lorenz läßt grüßen- wieder hoch zum Wald, die Entchen wackelten dezent antwortend hinterher. Hurra, geht doch!

Aber nur bis zur Zaunecke. Auf halbem Weg hat Herr Entchen wieder andere Pläne.

Ich habe auch andere Pläne, nämlich Abendessen, deshalb ist jetzt Schluß mit der Waldorf-Methode und ich schalte um in den mit Topsi hinreichend trainierten Drill-Instructor-Modus. Das Kunststück besteht darin, die Enten im Bogen zu überholen, was bißchen trickreich ist, weil bergab können die ordentlich beschleunigen.

Klappt aber, ich schneide den renitenten Quackern den Weg ab und ordne strammen Marsch bergauf an.

Wenn jemand amerikanische Filme gesehen hat, wo die Rekruten beim Marschieren ein Liedchen singen mußten – so ähnlich sah das jetzt hier auch aus. Ich hielt eine aufmunternde Rede und Frau Entchen zischte erbost quakend vorneweg. Ein Bild für die Götter, ich war nur froh, daß bei den Nachbarn die Terrasse nicht besetzt war, die hätten sich vermutlich königlich amüsiert.

Auf dem gemähten Weg angekommen gaben meine gefiederten Rekruten ordentlich Gas und wurden prompt vom eigenen Schwung am Tor vorbeigetragen.

Ob sie das Kommando „Stop, rechts um!“ tatsächlich verstanden haben oder ob ich inzwischen der perfekte Enten-Hütehund bin (geht man zwei Schritte nach links, geht die Ente nach rechts), konnte nicht abschließend geklärt werden, jedenfalls waren sie (endlich) wieder auf dem rechten Pfad der Tugend.

Heute morgen mußten sie motzend nachsitzen, bis ich das Tor mit Hasendraht (hoffentlich) entensicher abgedichtet hatte.

7 Kommentare zu “Links – zwo – quäck – quäck

  1. Ohje bei Dir ist echt immer was los… langweilig wirds da nie 🙂
    Ich hoff aber, dass die Abdichtung funktioniert, weil außerhalb von Zäunen lauern ja noch ganz andere Gefahren als das Verhungern …

  2. Ach du liebes bisschen! Das ist ja verrückt. Ich erinnere mich noch als die Beiden ganz scheu und schüchtern warn, und jetzt sind die plötzlich Spezialisten im Gartenausbruch. Zum Kuckuck!

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s