Enten am Entrée

Das Sündenregister der Quacker wächst momentan schneller, als ich berichten kann.

Selbstverständlich währte der Frieden mit dem abgedichteten Tor nicht lange. Sie hatten sich tatsächlich nach einmaliger Benutzung den Platz der Hühnerrückholöffnung im Zaun gemerkt und das Minirankgitter, daß da als Türchen diente, einfach auf die Seite gedrückt.

Hühnchen Houdini, seit letztem Jahr im Hühnerhimmel, wäre stolz auf die Enten.

Also massiveres Gitter vor den Zaun gestellt. Da gab es Alarm, Frau Entchen war auf der falschen Seite des Zauns und fand den Rückweg nicht mehr. Also Zaunlücke wieder aufgemacht, eine abtrünnige Ente im Bumerang-Modus ist mir lieber, als wenn ich sie jedesmal persönlich einsammeln muß.

In der größten Mittagshitze saßen sie dann wieder glücklich und zufrieden in ihrem Dschungel, ich schätze, entenpsychologisch ist das ein toller Platz, weil man Schatten UND Fernsicht hat. Übersehen wird leider, daß die tolle Aussicht nur in die Richtung funktioniert, wo keine Gefahr droht, während eventuelle Interessenten sich vom Wald her bequem anschleichen könnten.

Mein Argument „ihr seid winzig und eßbar!“ wird jedesmal mit verächtlichem Quacken quittiert. Ich beschloß dann, die Ausflüge in der Mittagszeit zu tolerieren, „aber ab 18 Uhr seid ihr wieder daheim!“.

Inzwischen kann ich tatsächlich am leisen „quäckquäck“ von Herrn Entchen hören, in welchem Planquadrat sie gerade sind. In 95 % aller Fälle in einem illegalen Planquadrat.

Gestern Abend gaben wir eine prächtige Vorstellung, sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort, haben nebenbei noch eine ahnungslose Katze verscheucht, ich brüllte von der Haustür aus einen Anschiß und im Eiltempo zischten sie heim ins Reich. Für die Nachbarn sah das aus, als hätte ich die Lage im Griff.

Heute Mittag kam mir dann sämtliche Enten-Autorität abhanden. Ich bastelte auf der Terrasse mit Kreissäge und Stechbeitel an neuer Hühnerstall-Inneneinrichtung herum, als mein Entenradar alarmiert wurde. Quäckquäck aus VÖLLIG falscher Richtung. Die werden doch nicht..?!!

Was auch sonst: da es heute nicht so heiß war, brauchte man nicht im Schatten bleiben, nutzte das abschüssige Grundstück für ein kleines Rennen, postierte sich dann im Garten anderer Leute fröhlich neben den Keramik-Deko-Gänsen und begrüßt die heimkehrende Nachbarin, als wäre man der Herr im Haus.

Ich bin fast abgebrochen. Die Strategen standen da wie das Empfangskomitee in diesen Nobelhotels, was Schirmchen trägt oder Taxitüren aufhält. Wenn sie das so gerne machen, sollte ich ihnen evtl. Schleifchen umbinden und sie vermieten – Schneckenjagd war gestern, die Ente, die was auf sich hält, arbeitet in der Gastronomie.

Da es was interessantes zu sehen gab, konnte ich die Fernsteuerung vergessen und durfte dann selber einen Spurt hinlegen und die freche Bande einsammeln.

Danach wurde die Zaunlücke wieder geschlossen und vorsichtshalber während meiner Einkaufsrunde Stallarrest verhängt. Als nächstes wird hier das Entenparadies nochmal extra eingezäunt, damit ich sie bei Abwesenheit oder ab Dämmerung in Reichweite habe. Hätte auch den Vorteil, daß dann kein Viehzeug in die Badewanne plumpsen kann. Bis der Zaun soweit ist, muß ich meinen Vorrat an Billigsheba aufstocken, als Enten-Einparkhilfe.

11 Kommentare zu “Enten am Entrée

  1. Himmel, ich liege schon wieder unterm Tisch vor lachen. Wer braucht TV und sonstiges, wenn er Laufenten hat. Evtl. steht eine Karriere im Circus oder Fernsehen an. Quack-TV – neues vom Hinterland. Oder als Buch: Die Ausbrecherbibel für kleine Enten.

    Falls Du irgendwann aus diesem Blog ein Buch machst – ich kaufe es sofort!

    Danke fürs Abend versüßen

    Susi

  2. Die beiden sind so herrlich. Ich könnte stundenlang über ihre Schandtaten lesen 🙂
    Wenn sich dasein oder andre Raubtier vom Wald aus anschleicht hoffe ich, er findet das Popogewackel der beiden so witzig wie ich und kullert dann lachend den Berg runter um dann unverrichteter Dinge wieder zu flüchten. ich hoffe aber sehr, dass es aus dieser Richtung wieterhin ruhig bleibt.
    Und ich stimme Susi vollkommen zu: Die beiden sind unterhaltsam ohne Ende!

  3. Könntest du nicht zur allgemeinen Veranschaulichung der Situation hier im Blog eine Karte veröffentlichen mit den Rückzugs-, Ausbüx-, Panorama-, Wellness- und Übernachtungsplätzen deines Federviehs??? 😆

  4. Das Thema Empfangskomitee in einem Nobelhotel könnte man noch ausbauen – biete mich an, den beiden eine schicke Livree zu schneidern, damit der Auftritt auch optisch formvollendet vonstatten geht.
    Wollte erst noch vorschlagen, dass Brüderchen die technischen Möglichkeiten mit verstecktem GPS-Sender überprüft, aber dann erinnerte ich mich, dass Du im Tal der Ahnungslosen wohnst und jede Navi versagt…
    Und den Radius eines Schlüssel-Such-Piepsers dürften die kleinen Gauner wohl locker überschreiten.

    • wobei Frau Entchen dann ja eigentlich so ein kleines, weißes Schürzchen mit Spitzenrand bräuchte…
      Zum Glück kann Herr Entchen zwar nur leise quäckquäcken, das macht er aber fast nonstop, zumindest, solange er in Bewegung ist. Wenn sich der Bewegungsradius zu weit ausdehnt, brauche ich ein Richtmikrofon, um sie zu lokalisieren.

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