Fahrwerkschäden serienmäßig

Die letzte Zeit war es hier wieder -leider- nicht so langweilig wie gewünscht (es gibt ja erfreuliche und unerfreuliche Langeweile).

Zuerst hat mir Flederli den Schreck des Jahrhunderts eingejagt. Normalerweise war bei ihm von 9 bis Mittags Krawallmachen angesagt. Plötzlich Sendepause. Ich suche meinen Vogel und finde ihn auf dem Boden sitzend, Köpfchen hängt runter und Augen zu.

Kacke.

Losgesaust, Lillykäfig für Tierarzt startklar machen.

Zwischendurch immer wieder Vögelchen kontrolliert, irgendwann verstärkte sich der Eindruck, daß es ein Füßchenproblem ist. Mein Blutdruck normalisierte sich wieder einigermaßen, Füßchen ist nicht gleich lebensbedrohlich. Am Tag vorher hatte der kleine Experte nämlich zum ersten Mal (dank List und Tücke meinerseits, aber das ist eine andere Geschichte) richtig gebadet, war dann aber immer noch so aufgeregt, daß er sacknaß auf der Gardienenstange vor dem kalten Fenster herumturnte. Ich fürchtete daher erstmal Lungenentzündung oder sowas.

Dann lieber Füßchen.

Irgendwann hatte er sich soweit erholt, daß er in die Voliere reinging und als er höher saß, sah ich Blutspuren an seinem Bauch. Nur das fragliche Füßchen wurde hartnäckig in den Federn versteckt.

Eine Umschulung vom Sittich zum Storch ist nicht so einfach – irgendwann mußte das Füßchen mal wieder auftauchen und nach näherem Umkreisen sah ich, daß er sich seine „falschparkende“ Kralle rausgerissen hatte. Wo und wie blieb rätselhaft, weder hat er gequäkt noch war Geflatter, weil er wo festhing.

Abends hatte ich ihn dann von der Stange gepflückt und Jodsalbe draufgemacht, diese Aktion hat er mir bis heute nicht verziehen 🙂 . Ich muß jetzt viel Grünzeug kaufen, um mich wieder beliebt zu machen.

Zwei Wochen lang hatte ich hier einen kleinen Nazisittich mit erhobenem rechten Füßchen sitzen, jetzt belastet er es wieder voll. Dummerweise hat Sherlock seinen angeschlagenen Zustand ausgenutzt und ihn an einem Abend so verdroschen, daß er gepiepst hat und ich die Kerle trennen mußte. Jetzt steht also wieder die Rollvoliere in der Küche, aber es finden wieder erste Hausbesuche statt.

Dafür entdeckte ich jetzt, daß Entchen Luna humpelt. Ich hatte schon beobachtet, daß sie mehr liegt und sich bißchen abseits hält, dachte aber, vielleicht will sie ein Ei legen oder hat die Nase voll von den Kerlen.

Nein, sie läuft „unrund“.

Abends schonmal wild protestierende Ente geschnappt und Füßchen besichtigt – keine Verletzung zu sehen.

Als erste Maßnahme kam sie heute in den Knast, in dem sonst defekte Hühner inhaftiert sind, damit sie nicht soviel rumzischt, abends wollte ich mit ihr zum Tierarzt. Die hatten aber akute Langeweile und meinten, wir können gleich vorbeikommen.

Mitten in den Startvorbereitungen klingelte es und statt Eierkundschaft standen zwei Kerle von der Gemeinde vor der Tür, die die Wasseruhr wechseln wollten.

Spitzenidee, da steht der Sperrmüll davor. Und warum man nicht 3 Tage vorher mal einen Zettel in den Briefkasten werfen kann?

Da keiner auf die Idee mit dem Zettel kam, waren sie so  glücklich, ein Haus zu finden, wo sie reingelassen werden, daß sie sich selber ihren Weg zur Wasseruhr freikämpften. Ich überließ sie daher ihrem Schicksal.

Und stellte im nächsten Moment fest, daß jetzt das Wasser abgestellt ist. Was Luna für einen ausgeklügelten Racheplan nutzte.

Warmes Wasser zum Zähneputzen hatte ich noch (in dem Moment hatte es geklingelt), danach ging ich raus, Entchen fangen. Entchen hatte eine Flitzfläche von ca. 1,20 m x 1,50 m. Das ist genau der Abstand, mit dem eine zu allem entschlossene Ente außer Reichweite bleiben kann, wenn Mensch sich über eine Abgrenzung beugen muß.

Wir waren also beschäftigt. Verzweifelt quäkende Ente humpelte in Höchstgeschwindigkeit, meine Hühner haben offensichtlich erweiterte Sprachkenntnisse, die zeterten gleich mit, und Luna steckte auf ihrer Flucht erst wie ein Tankstellenblumenstrauß im Wassereimer und plumpste im nächsten Moment der Länge nach in eine Wanne voller Schlamm.

Derartig „vorbereitet“ durfte ich sie dann anfassen.

Und dank den netten Herren im Keller durfte ich uns beide mit eiskaltem Regenwasser ausgehfein machen.

Ich wette, das war Absicht.

Nach diesem Start rechnete ich mit einem üblen Aufstand beim Tierarzt (eine erboste Ente kommt schon auf Gashupen-Level) aber da war sie – nach erstem Protestgezappel- erstaunlich friedlich.

Als ihr Beinchen bewegt wurde, hat sie sich nicht beschwert, daher vermute ich, sie war auf nasser Fahrbahn mit nicht angepaßter Geschwindigkeit unterwegs, ist mit dem Füßchen wo hängengeblieben und der Rest war Physik. In solchen Fällen ist unsereiner ja auch locker eine Woche lang am humpeln.

Nach Füßchentest durfte sie sich wieder hinstellen, schaute sich ganz würdevoll um und als sie noch eine Spritze in die Brust bekam, blieb sie heldenhaft aufrecht stehen, ohne sich zu beschweren.

Sie bekam sogar von der Ärztin heldenhaftes Verhalten bescheinigt 🙂 .

Ich wette, nicht ganz so tapfer wird sie morgen sein, wenn ich ihr morgens und abends was in den Schnabel stopfen soll. Zwei Dosen Bestechungsmais wurden vorsorglich gekauft, aber vorhin beim Einsperren haben die Enten schon deutlich erklärt, daß mir nicht mehr zu trauen ist.

3 Kommentare zu “Fahrwerkschäden serienmäßig

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