Göckelchen

Es soll ja Damen geben, die „nur mal gucken“ wollen und dann mit irgendwelchen unnützen Schuhen heimkommen.

Dieses Problem hab ich eher selten.

Allerdings bin ich höchst entschlossen ohne Transportbehälter Hahn besichtigen gewesen und da der Hahn eigentlich ein Hähnchen ist, von der Größe her bestens zu Goldie, Nr. 8 und dem Legehühnchen paßt und außerdem ein armes Mobbingopfer war, was im Wortsinn „bestellt und nicht abgeholt“ wurde, habe ich ihn dann mitgenommen. Außerdem war ich da so lange zu Besuch, daß ich mich von seiner schwachen Sendeleistung überzeugen konnte. Er kräht nicht schön, aber dezent, und das bögöööck ist deutlich angenehmer als der Krawall von meiner mißratenen Brut.

Wie immer wird meine freundliche Gesinnung nicht anerkannt, er hat nur abgespeichert, daß ich ihn an seinem Fahrwerk gepackt und kopfüber in einen Karton gestopft hatte.

Nicht grade die beste Strategie, um sich bekannt zu machen.

Nachts hatte ich ihn dann dazugesetzt (nicht, daß die Ladys wieder ihre bewährte Brennnesselnummer abziehen), heute morgen war es im Stall gewohnt erfreulich/bedenklich ruhig, beim Kontrollgang war er noch vollständig.

Als ich Fotos machen wollte, waren sämtliche Hühner weder sicht- noch hörbar.

Die Entchen hüllten sich in Schweigen.

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Auf meiner Pirsch entdeckte ich dann Beweisstück A, was in Kombination mit unauffindbaren Hühnern eine dezente Sorgenfalte hervorrief.

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Da er so zart ist, heißt er momentan „Göckelchen“. Den Rest der Truppe entdeckte ich ganz oben bei den Fichten auf Tauchstation, Göckelchen arbeitete noch an seinem Kulturschock in Sachen Grünfläche im gehobenen Quadratmeterbereich. Aber in Sachen Federn gab es Entwarnung:

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Vermutlich hat er bei einer Vorfahrtsdiskussion mit den Erpeln Federn gelassen, als er vor meinen Nachstellungen flüchtete, landete er irgendwann bei Opa Hubert und der zeigte keine größere Aufregung. Die Kerle sind ja auch nicht völlig doof, Opa hat das größere Kampfgewicht und Göckelchen kann besser rennen, mit bißchen Glück einigen sie sich auf unentschieden. Und hier ist das leichtflüchtige Objekt:

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In Sachen Abstammung gibt es nur Verdächtige, aber keine Beweise. Evtl. ist ein holländisches Grünlegerhuhn beteiligt, die Rasse ist noch nicht so häufig.

Zumindest hat er heute Abend fachgerecht eingeparkt.

Mobbing von neuen Vorgesetzten

Die Weiber sind schon trickreich.

Als erste Amtshandlung haben sie Opa Hubert die illegale Seite vom Zaun gezeigt.

Habe ich nicht weiter drauf reagiert, kam mir fototechnisch ja im Wortsinn entgegen.

Beim Abendessen bemerke ich dann einen weißen Klecks auf dem Zaun unter den Fichten.

Die Rattenweiber haben sich anscheinend klammheimlich abends eingeparkt und den armen Opa seinem Schicksal überlassen. Und dank momentan mannshohen Brennesseln fehlte dem armen Kerl jegliche Orientierung. Folglich saß er mit ratloser Miene auf der nächstbesten Stange.

Mein Angebot, ihn runterzuheben, wurde abgelehnt, ich hatte ihn mittags schonmal verhaftet, um seine Kalkbeinchen mit Ballistol einzudieseln, folglich war mir nicht zu trauen.

Also die neue Sense geschnappt und eine Schneise zwischen Stall und Gockel geschlagen. Mit moderatem Scheuchen bekam ich ihn dann auf Kurs, und als er siegreich im Stall ankam, hat er natürlich höchst männlich behauptet, er hätte nur länger aufbleiben wollen…

Opa Hubert und Opa Heinrich

Diesmal entwickelte sich die Story völlig anders als ursprünglich geplant.

Schorschs Entsorgung klappte besorgniserregend pannenfrei.

Unser neuer Mitarbeiter heißt Hubert.

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Opa Hubert wurde zwecks erster Orientierungsphase zu den Damen in den Stall gesetzt. Brunihuhn ist spontan entflammt und hüpfte sofort neben ihn, Goldie war fassungslos, daß es auch weiße Hähne gibt, und schoß diagonal durch den Stall, bis sie von der linken oberen Ecke heimtückisch ausgebremst wurde.

Wer als Kind so ein „Gewehr“ für Tischtennisbälle hatte, kann sich den Stunt ungefähr vorstellen.

Außer leicht bedenklichem Krächzen der Damen herrschte Ruhe.

Ich hab mich dann trotz Wind und Regen mit Decke auf die Terrasse gelegt, einfach nur um zu hören, daß ich nichts höre.

Irgendwann hat er mal gekräht, aber von der Lautstärke her bleibt er unter den üblichen motorisierten Gartengeräten – perfekt.

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Er gehört der verbreiteten Rasse der Senfhühner an – jeder hat mal seinen Senf dazugegeben. Sein pflichtbewußtes Gesicht finde ich ganz witzig, von vorne erinnert er komischerweise an den Adler auf dem Kriegerdenkmal. Evtl. war da noch irgendwelcher streng geheimer Senf im Spiel.

Als ich dann Ausgang genehmigte, war Opa Hubert verwirrt vom Dschungelkrieg. Er wohnte vorher in einem Hochsicherheitstrakt, wo drumherum die Füchse kreisten und als Deckung nach oben gab es große Kirschbäume. Folglich blieb er erstmal in den Brennesseln und versuchte von da aus -relativ vergeblich- seine abtrünnigen Truppen von der Wiese zurückzubeordern.

Dann trat der Fall X ein: Kampfkugel Nr. 8 hatte sein klitzekleines grünes Ei gelegt und startete das anschließende Halbstundengezeter.

Hubert schweigt.

Und schweigt.

Und schweigt.

Hühnleins Schimpfkanonade dauert immer noch an.

Hubert schweigt.

Hühni brabbelt mißmutig vor sich hin.

Hubert kräht kurz („Du hast ein Ei gelegt, wo ist das Problem?“)

Hühni: „Spielverderber!“

Ich liebe ihn jetzt schon.

Die Hunderunde führte dann oben am Grundstück vorbei, damit ich mir unauffällig einen Überblick verschaffen konnte, wer wo wie und mit wem unterwegs ist.

Ich hörte ein sehr merkwürdiges Geräusch.

Die Weiber hatten es tatsächlich geschafft, Opa zu einem Alarmgezeter anzustiften – allerdings klingt das bei ihm eher, als wäre irgendein rostiges Maschinchen am Werk, und große Sendeleistung hat er auch nicht. Alles entspannt.

Nächster Programmpunkt: Mittagessen.

Sittiche evakuiert, Topf mit Curry auf den Herd, klingelt das Telefon. Vierstellige Telefonnummer, vermutlich noch wegen Schorsch.

So war es dann auch – während die erste Anzeige null Reaktionen auslöste, gerate ich diesmal laufend an muntere ältere Herren mit jeder Menge Viehzeug.

In diesem Fall hatte der Herr am anderen Ende der Leitung ein ähnliches Problem wie ich – ein überzähliger Hahn, der zu schön für den Topf war (es beruhigt mich, daß das auch Männer so sehen).

Als ich sagte, ich hätte Schorsch schon gegen einen vierjährigen Hahn eingetauscht, bekam ich einen Anschiß, von wegen Befruchtungsrate und daß der höchstens noch 2 Jahre lebt.

Sehe ich genauso, aber solange ich keine Ahnung vom Schlachten habe, wird hier nicht absichtlich gebrütet.

„Ei, dann kommst Du hierher und ich zeige Dir das. Und wenn Du Hühner hast, die geschlachtet werden müssen, bringst Du sie her, wir machen das hier, Du mußt die dann nur noch einen Tag abhängen lassen und dann kannst Du sie einfrieren.“

Ähhhmmmmmm.

Alles, was ich mir von der etwas anstrengenden Mitgliedschaft im Vogelverein versprochen hatte – einen Ansprechpartner und Beratungsdienst für die Hühnerangelegenheiten, die nicht per Google zu lösen sind- krieg ich von einem wildfremden Opa, den ich noch nie gesehen habe, angeboten.

Im Endeffekt haben wir über eine Stunde lang geschnattert und nächsten Sonntagmorgen besichtige ich sein gesammeltes Viehzeug, von Huhn über Häschen bis Täubchen, wenn ich mir alles richtig gemerkt habe.

Nach 6 Jahren politisch korrekter Eierproduktion wäre es eigentlich konsequent, sich mit dem nächsten Level zu beschäftigen.

Mal sehen, wie sich die Sache entwickelt mit Opa Heinrich.

Der Dschungel, wo er drinsteht, war die letzten 10 Jahre Wüste

Der Dschungel, wo er drinsteht, war die letzten 10 Jahre Wüste

Zielgerichtete Werbung

Na bitte – die Anzeige mit dem Angebot, den übermotivierten Schorsch gegen ein älteres Modell einzutauschen, hat heute Morgen bei der Zielgruppe einen Lachanfall mit anschließendem Anruf ausgelöst.

28 bunt gemischte Hennen laufen da und weil immer mit eigenem Hahn nachgezüchtet wurde, ist Blutauffrischung dringend notwendig.

Ich bekomme einen 4 Jahre alten Hahn, der hoffentlich nicht mehr jedes abgelieferte Ei mit einem halbstündigen hysterischen Anfall begrüßt.

Und als sich herausstellte, daß die Hühner der Frau gehören und der Anrufer eigentlich Sittichzüchter ist, hab ich den Deal „Anlieferung gegen Sittichbesichtigung“ ausgehandelt.

Ich hoffe, meine inzwischen reichlich zerrupften Damen wissen meine Bemühungen zu schätzen.

Berufstätiges Huhn

Faszinierend – zweimal mit Zugezogenen gequatscht ergibt mehr Kontakte wie eine Vereinsmitgliedschaft bei den Ureinwohnern.

Weil ich bei dem Enten-Opa erzählt hatte, daß Goldie gluckte wie bescheuert, stand heute ein alter Herr aus dem Nachbarort vor der Tür, dessen Goldfasanendame keine Lust mehr auf Mutterschaft hat.

Goldie ist jetzt ausgeliehen, mal sehen, ob sie sich überzeugen läßt – sie ist zwar weitgehend wieder entgluckt, „redet“ aber immer noch mit dem Nest.

Ein bühnenreifer Abgang

Am MIttwoch hatte ich hier sprichwörtlich den Dreizehnten.

Es war so ein klassischer „bitte vierteilen Sie sich, wenn möglich“-Tag, ich hatte seit anderthalb Wochen das Hundetier in Vollzeit, war dementsprechend überall hinterm Zeitplan und wollte deshalb besonders effizient sein. Was bedeutete: nicht andächtig zuschauen, wie die Entenwanne voll Wasser läuft, sondern nach erfolgreichem Start der Pumpe im Beet daneben Unkraut zibbeln (das hat sich inzwischen auch als Luftnummer erwiesen, danach hat Goldie nämlich besser sehen können, welche Blumen sie noch meucheln muß) und, als ich vom Tank zur Regentonne gewechselt hatte, war bei 200 Litern noch Zeit, um schnell den Hund um die Ecke zu bringen (nicht so, wie sich´s anhört…).

Hund erleichtert, ich komme zurück, erwarte glückliche Enten im vollen Pool – stattdessen ratlose Schnabeltierchen und eine Minute später bin ich genauso ratlos: die Wanne ist leer. Die Regenwasserreserven jetzt auch.

Entweder, ich war beim Stöpsel reinmachen sensationell blöd, oder der Schlauch hat beim Pumpen mal gegen den Draht vom Stöpsel geschlagen, keine Ahnung, ich war jedenfalls reichlich genervt, daß die Quaker jetzt nur ein Blitzbad im Sickerbereich machen konnten und das war´s dann schon wieder mit dem Wasser.

Das ganze Ritual mit Wanne schrubben, Schläuche durch die Gegend zerren und Pumpe umsetzen macht ja nur Spaß, weil man vor dem inneren Auge schon glücklich plitschelnde Entchen sieht.

Bis zum Abend war ich angemessen grummelig (die Enten auch), dann kam über Facebook die Meldung: Bruce hat ein Vorstellungsgespräch.

Das wirkte dann stimmungsaufhellender als jede Pralinenschachtel.

Die Randbedingungen ideal: Facebookkompetentes Mädel orderte Hahn für ihren Vater. Meine Horrorvorstellung, daß er bei einer Hühnerkuschlerin landet und nach dem ersten Kennenlernen haben beide einen Nervenzusammenbruch, war damit schonmal beseitigt.

Da sie aus dem Raum Frankfurt kam, war ich im Wortsinn entgegenkommend und wir vereinbarten konspirative Übergabe auf dem McD-Parkplatz Samstagmittag.

Freitag sagte ich mir bei jedem Gezeter aus der Geflügelabteilung „ich weiß etwas, was Du nicht weißt“, nachts wurde er in bewährter Weise in den Knast umgesetzt zwecks streßfreiem Start am Samstag (soweit die Theorie), Samstagmorgen bastelte ich höchst wohlgelaunt die ultimative Gockelreisekiste.

Da ja auch bißchen Besichtigung möglich sein sollte, ich aber nicht so optimistisch bin und auf einem Parkplatz eine Kiste aufmache, wo Senkrechtstarter Bruce drinhockt, wurde ein gigantischer Amazonkarton mit 2 vergitterten Fenstern ausgerüstet (wohl dem, der jeden Schrott aufhebt – ein Gitter war von einem Wohnwagenkühlschrank, das zweite noch antiker). Eine Pappsitzstange aus einem ausgeschnittenen Obststeigendings gab es auch noch, damit er weder rumrutscht in den Kurven noch in seinen Klecksen hockt (ihm ist das egal, ist aber immer toll, wenn man das Huhn dann raushebt und einen Fehlgriff macht).

Alles perfekt, noch schnell Hunderunde und dann kann Bruce einziehen.

Ich nähere mich dem Meditationszimmer, Bruce göckert bedenklich.

Die ans Gitter gelehnte Palette weggeräumt (nie ohne doppelte Absicherung), Bruce fährt die Systeme hoch.

Ich quetsche mich durch einen Spalt am Gitter vorbei rein in seien Knast, er nutzt schamlos aus, daß diesmal kein Kollege im Weg sitzt, stürzt in seiner bewährten „Angriff ist die beste Verteidigung“-Manier auf mich zu und ehe ich piep sagen kann, hat er sich irgendwie aus der Bude rausgebeamt (Stellt euch vor, ihr müßt in einer handelsüblichen Klokabine einen Fußball fangen, der Haken schlagen kann. Sieht eigentlich nicht schwer aus, aber Überraschungen gibt es immer wieder).

Toll. Hahn im Keller, 10 Minuten bis Abfahrt. Und ich bin NICHT gewillt, mir diese Gelegenheit entgehen zu lassen.

Nix mit streßfrei und Verständnis, die Spottdrossel mutiert in Sekundenschnelle zum Greifvogel.

Er zischt in die Garage, ich zische hinterher (natürlich stand wieder ein Haufen Baumarktbeute im Weg rum, was sonst). Netterweise hat er aber seine Strategie geändert, er rennt nicht durch bis zum Bauholz, sondern bleibt ziemlich schnell stehen, um wieder an mir vorbeizufegen.

Und zurück in den niedrigen Keller. Ich habe Deja-vus im Minutentakt und frage mich, ob die Tür zur Waschküche zu ist oder er im ungünstigsten Fall durch den gesamten Ostflügel in die obere Wohnung rennen kann.

Zum Glück will er es nicht wissen und rennt wieder in die Garage.

Mein amtlich zu niedriger Adrenalinspiegel ist so ziemlich leergefahren und mir ist jetzt alles egal. Diesmal bekomme ich irgendwas Vogeliges in die Finger, und beim Hühnerfangen ist bei mir Gesetz: was man erwischt hat, bloß nicht loslassen, das Huhn geht schon nicht kaputt.

In diesem Fall hatte ich ihn an seinem prächtigen Heckspoiler erwischt und so wurde er -„Du hast es so gewollt“ zeternd und kreischend kopfüber baumelnd zu seinem Reisekarton befördert.

Hätte man das nicht auch einfacher haben können? Ein Harem von 20 Mädels warten auf ihn, und er stellt sich so an.

Diverse Proteste später sind wir unterwegs, irgendwann hält er dann die Klappe und ich frage mich, ob er nur beleidigt ist oder einen Herzkasper hat. Wie sich herausstellte, war er aber noch höchst lebendig.

Die Dame fand ihn hübsch, beschloß, der Vater hat sowieso immer was zu meckern und wird jetzt nicht weiter gefragt, ich bekam ein Glas selbstgemachten Bärlauchpesto, (auf den Test bin ich schon sehr gespannt) und fuhr weiter in die Baumschule, um meinen glorreichen Sieg zu feiern.

Abends kam dann über Facebook die Meldung, alles gutgegangen (ich hatte so Horrorvorstellungen von Bruce als Lufterfrischer am Rückspiegel baumelnd), und ein Foto kam auch

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Mann ist flexibel

Seufz – die Herren machen es mir echt nicht leicht.

Da sie ja nur an die 1000 m² zur Verfügung haben, müssen die Hühner ständig in „meiner“ Gartenhälfte für Chaos sorgen. Strategisch platzierte Kleckse sind ein Punkt, und demnächst würde ich gerne noch ein paar Gewächse im Garten sehen, die keine Brennesseln sind – wird mit rumdackelnden Hühnern schwierig.

Folglich begann das Projekt „geteiltes Deutschland 2.0“, wobei aber die Entchen zumindest halbtags auch Zugang zur Hühnerwiese haben sollen: sie haben nämlich um diese Jahreszeit noch eine beachtliche Mähleistung. Während am Wochenende hier rundherum die Rasenmäher brummten, habe ich im Entenrevier 3 mm Gras, und jetzt sollen sie oben weitermachen.

Also war der Plan: ein Loch im Zaun, wo ein Entchen durchfluppen kann, ein größeres Huhn oder ein XXL-Hahn aber draußen bleiben muß.

Soweit die Theorie.

Als ich letztens schonmal damit anfing, mein Revier zu verteidigen, schaffte es Bruce in seiner Panik nicht mehr, die komplette Checkliste für einen Take-off über das Törchen abzuarbeiten und flunderte untendrunter durch.

Wo sonst die Entchen durchpassen.

Der positive Aspekt: sollte sich jemand vom anderen Ende Deutschlands für ihn interessieren, dürfte er durch die DHL-Schablone für Maxibriefe passen – spart die Kosten für Tierversand.

Negativ: meine Überlegungen, einen Zaundurchgang mit „Wassergraben“ zu basteln, der nur für tauchkompetentes Geflügel zu bewältigen ist, rückt von „Spinnerei“ zu „vermutlich einzige Lösung“.

Kein stilles Örtchen

So schön die Herren Hähne auf den Fotos auch sind: sie nerven wie Sau. Beim Krähen bin ich noch tolerant, es sind halt keine Singvögel, Schorsch krächzt sich was zurecht und Bruce klingt exakt wie mein früherer, hühnchenförmiger Wecker (wer kennt die Dinger, wo man dann auf den Kamm gehauen hat, damit das Vieh den Schnabel hält? Genau diese Funktion vermisse ich momentan). Das Hauptübel ist das ewige Alarm-Bögöööck, wobei Schorsch die Betonung auf ein hysterisch-überdrehtes „üüüüüü!“ legt und Bruce die zweite Stimme krächzt.

Das Ganze gefühlt stundenlang, ich könnte jedesmal den Besen nehmen und draufhauen.

Vorsichtshalber habe ich nie gefragt, was die Nachbarn davon halten (der auf der einen Seite ist verantwortlich für Kirchenglocken morgens um 6 und die Festhalle, die mich mit Livemusik zu unpassendsten Zeiten „erfreut“, die andere Seite sorgte dafür, daß ich in vor-Huhn-Zeiten jahrelang keinen schönen Sommerabend draußen genießen konnte, weil Punkt halb neun abends der Fußball rausgeholt wurde und bis halb 12 nachts auf der Straße Gebrüll war. Von daher soll mir einer blöd kommen…), aber um mich selber zu erfreuen, hatte ich letzte Woche beschlossen, mir ein bögöööck-freies Frühlingswochenende zu schenken.

Also brach am Freitag wilde Aktivität im Keller aus und im ehemaligen Plumpsklo wurde ein Meditationszimmer für die zwei Hysteriker eingerichtet. Bißchen Ruhe und Gelassenheit kann ihnen nur guttun.

Wie erwartet, sind sie nicht ganz so begeistert, und am Anfang war Sherlock etwas verwirrt, als es im Keller jodelte, aber die Gesamtbilanz ist gut: glückliche Enten, zufriedener Obervogel, und die Hennen waren auch nicht grade Gramgebeugt.

Von Freitagabend bis Sonntagabend ist ab sofort bei schönem Wetter Nachsitzen angesagt. Dafür werde ich jetzt immer mit mißbilligenden Geräuschen bedacht, wenn ich durch den Keller gehe.

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Nachdem Hühnchen Track gestern ewig grundlos zeterte, habe ich einen berechtigten Verdacht, was die leibliche Mutter angeht…

Während die zwei Strategen schmollten, hatte ich am Samstag Mittagspause mit Liegestuhl, Eiskaffe und Hund (plus ab und zu Aufregung, wenn ein Huhn um eine Ecke bog und unerwartet vor Paula stand 😀 . Und einmal war erbostes Entenquaken, ich habe den Verdacht, Paula wollte an Pünktchen schnüffeln). Und sehr zufriedene Entchen, die sich vorher von ihrem Pool zurückgezogen hatten, weil hier die Hähne illegal herumeierten.

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Ich hab´s doch gesagt

Die Grenze zwischen Pessimismus und Wahrsagerei ist offenbar fließend.

Das schöne Wetter ist vorbei, morgen sitzt laut Vorhersage niemand im Garten, also bastelte ich aus strategisch geparktem Auto, ein paar Mülltonnen und Brettern ein Gockelleitsystem.

Aus dem Keller kamen skeptische Geräusche, ab und zu sah ich ein paar Schwanzfedern, immer da, wo ich sie grade nicht vermutete.

Garagentür aufgemacht, Bruce dackelt prompt stattdessen rüber ins Lager (er hatte zwar mittags hinter der Tür auf den Postboten gelauert, aber am Briefkasten hing ein Warnzettel und nachmittags waren die Pakete weg, eins für mich angekommen und Bruce auch noch da). Also da auch Tür aufgemacht, versprochen, daß ich auch nicht zu nahe komme, und tatsächlich stelzte er vorsichtig raus.

Mit einmal höflicher Aufforderung bog er ab Richtung Treppe – Hurra!

Läuft ja bestens.

Drei Schritte vor der zwecks leichterer Entscheidungsfindung abgestellten Futterschüssel (er weiß ja nicht, daß hinter der Hausecke wieder die bekannte Welt anfängt) hopst das blöde Vieh ohne jeden Grund auf die Schaltafel, hechtet auf die Straße, punktgenau vor den großen GLS-Transporter, dann erstmal nur Hörspiel mit hysterischem Gezeter (zum ersten Mal in seinem Leben halbwegs berechtigt), dann kommt er mit wehenden Röcken und zum Glück noch vollständig angeschossen, fliegt über die Absperrung, aktueller Stand: siehe Bild 1.

Und ich bin natürlich schuld an seinem Ungemach.

Seufz.

Vielleicht sollte ich nochmal einen Riesenkescher in meinem Fundus aufnehmen.

Aber damit hat er sich für ein Attentat im Schlaf qualifiziert, wegen nichtvorhandener Teamfähigkeit.

 

Fast gute Idee – Fortsetzung

Ich sollte das federige Vieh für Torwarttraining vermieten. Ich habe noch nie ein Huhn/Hahn erlebt, was bei der Größe so schnell ist.

Gestern saß er die meisten Zeit in seinem Ausguck, heute marodiert er, mit Spinnweben am Kamm, durch den Keller. Soweit ja kein Problem, ich dachte, laß ihn mal, irgendwann ergibt sich eine günstige Gelegenheit.

Kaum wollte ich mit meiner Kiste voll Brennholz die Treppe rauf, war schon meine Wunschgelegenheit eingetreten: Hahn auf enger Kellertreppe, oberes Ende Sackgasse, weniger als 1 Quadratmeter.

Ich pirsche mich an, er pirscht 3 Stufen zurück, bögöggt skeptisch und ich denke noch „der fliegt dir auf den Kopf“, da startet er schon zeternd in die Höhe, über mich drüber, dummerweise ist da dann treppenbedingt eine Wand, er flattert wie eine Monstermotte an der Wand rum, Zwischenstopp auf Lampe, ein Hopser auf meinen Kopf und unter Zurücklassung einer Feder entschwindet er wieder in den unergründlichen Tiefen des Kellers.

Das Ganze mit Ton.

Fortsetzung folgt.

(planlos, wie er ist, kann ich es auch nicht riskieren, ihn rauszutreiben, ich müßte ihn davon überzeugen, über den Hof um das Haus rum zu laufen, ohne die Kirchgänger aufzumischen. So optimistisch bin ich dann doch nicht.)