Pflichtvergessen

Heute war ich bißchen vom Pech verfolgt – mittags in der Klinik ewig in der Warteschleife, der Umrechnungsfaktor lautet: Blutabnahme & Gespräch mit der Ärztin (das ist die putzig Kleine, der ich reflexartig Körnchen anbieten will) dauert eine halbe Stunde, Wartezeiten drumherum: 3 Stunden. Ich unterstelle einen Deal mit dem Parkhausbetreiber.

Auf dem Heimweg dann Stau und beim Versuch, den zu umfahren, prompt in einer Umleitung gelandet (nein, mein Navi heißt „Kopf“, funktioniert insgesamt ganz gut, außer halt die Aktualisierungen…).

Ich war dann wesentlich später daheim als geplant und stolperte prompt über meinen Nachbarn, kurze Lagebesprechung wegen Brennholz und Hunden – „QUÄÄÄÄÄÄCKquäckquäckquäckquäck!!!!!“

„Komme ja gleich!“

Ok, ich gebe es zu, sie hatten keine Mittagskörnchen. Bringt aber auch nichts, welche hinzustellen, das würden nur die Hühner klauen, die in ihrem Trog ja niiiiie was bekommen.

Das Gespräch schwenkt um in Richtung ökologische Baustoffe und kommende Projekte rund um Haus und Hof.

Ich hör doch was..?

„Links, zwo, quäck – quäck“, Frau Entchen (schwarz) ist hier inzwischen zum Fremdenführer mutiert und hat die ganze Bande rund ums Haus gelotst, woraufhin 5 vorwurfsvolle Köpfe über der Entenausflugssperre auftauchen.

Alles klar, es wird unverzüglich serviert…

To-do-Liste einer Ente, Teil 3

Ganz wichtig: quaken.
Wobei die Herren eher leise sind – Herr Entchen macht ganz dezent „quäckquäck – quäckquäck – quäckquäck“, bei Aufregung kulinarischer Art wird der Text etwas schneller abgespult, Frau Entchen hat deutlich mehr Schalldruck.
Im Futtersuchmodus klingt sie wie so eine alte Oldtimerhupe, ziemlich witzig, sie kann aber auch gezielt kommunizieren.
Als Topsi 2 Häuser weiter rumkläffte, wurde Frau Entchen ziemlich groß, schaute mißbilligend und schickte ein energisches „Quäckquäckquäck!!!“in seine Richtung.
Meistens sind die mißbilligenden Kommentare allerdings an mich adressiert.
Bevorzugt lauert sie direkt hinter der Waschküchentür (nicht ganz rückstandsfrei, ich muß da mal Schrubber und Gießkanne stationieren), und wenn sie mich hört, kommt die Essensbestellung.
Am Samstag war das „QUÄCKQUÄCKQUÄCK!!!“ so laut und unerwartet, daß ich fast einen Herzkasper bekommen habe (und sehr schnell Körnchen servierte).
Laut Entengebrauchsanweisung suchen die sich ihr Futter ja selber; Frau Entchen findet das mit dem Bestellservice wesentlich praktischer, und damit sie nicht die Nachbarn nervt, kommt sie mit der Nummer durch – der Leisere gibt nach, oder so ähnlich.
Sie haben auch ihre Schlafenszeit selber festgelegt.
Am Anfang war Einsperren noch eine trickreiche Angelegenheit, Futter reinstellen, Entchen aus der Ferne ermutigen, und wenn sie endlich reingewackelt sind und man will die Klappe zumachen, kommt Frau Entchen mit einem „es ist eine Falle, es ist eine Falle!“ wieder rausgeschossen. In solchen Fällen hieß es dann „zurück auf Los“ (bzw. zurück zum Abendessen) und die Enten durchs Fenster im Auge behalten bis zum nächsten Versuch.
Genau in diese Phase fiel ein Abendausflug von uns, wir wollten mit putzigen Eulen flirten.
Da die Entchen noch nicht Hühnersitter-tauglich waren – ich kann ja nicht erwarten, daß der eine Dreiviertelstunde im Garten lauert, und sein Vorschlag, sie mit vorgehaltener Waffe reinzukomplimentieren, fand ich nicht ganz praktikabel- wollte ich sie schon vor unserer Abfahrt einsperren.
Probelauf am Freitag, ich verwandelte mich in eine Art Enten-Hütehund, und in einem komplizierten Menuett – gehe ich drei Schritte nach links, trippeln die Entchen nach rechts, es ist allerdings Fingerspitzengefühl angesagt, sonst sausen sie im Eiltempo weg vom Stall- hatte ich sie in 10 Minuten im Stall.
Geht doch.
Am Samstag dann eine halbe Stunde eingeplant plus umfangreiche Bestechung in Form von no-name-Sheba.
Damit hatte ich eine Spur gelegt, denen die Enten auch fleißig folgten.
Kaum hatten sie das letze Bröckchen im Stall aufgestaubsaugt, schoß Frau Entchen aus dem Stall.
Satte Enten sind unkooperative Enten.
Als die Zeit langsam knapp wurde und Herr Entchen sich gerade günstig (und leicht ratlos) in einer Ecke positioniert hatte, erfolgte ein direkter Zugriff meinerseits.
Woraufhin Herr Entchen sich so erschreckte, daß er einen gigantischen Panikklecks auf meiner sauberen Hose hinterließ.
Soweit war ja alles sehr gelungen.
Frau Entchen -auch kurz vorm Herzkasper- wurde auch verhaftet und dazugestopft, dann hatten wir (nach Hosenwechsel) Ausgang.
Inzwischen ist das Abendprogramm deutlich verkürzt.
Punkt 18.20 Uhr -keine Ahnung, woher sie das weiß- macht es „QUÄCKQUÄCKQUÄCK!!!“, und während ich noch Stroh nachstreue, den geschändeten Wassernapf ausspüle und die Körnchen auffülle, wuseln sie schon aufgeregt quäckquäckend um mich herum.
Bin ich dann endlich fertig, sausen sie mit elegant schräger Kurvenlage die Rampe hoch.
Ich bin jetzt gespannt, ob die Uhrzeit an die Helligkeit angepaßt wird, bisher wollten sie jedenfalls bei strahlendem Sonnenschein nicht länger aufbleiben – die Schnecken wußten es zu würdigen, die haben Arbeitsbeginn 18.22 Uhr.

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