Mobbing von neuen Vorgesetzten

Die Weiber sind schon trickreich.

Als erste Amtshandlung haben sie Opa Hubert die illegale Seite vom Zaun gezeigt.

Habe ich nicht weiter drauf reagiert, kam mir fototechnisch ja im Wortsinn entgegen.

Beim Abendessen bemerke ich dann einen weißen Klecks auf dem Zaun unter den Fichten.

Die Rattenweiber haben sich anscheinend klammheimlich abends eingeparkt und den armen Opa seinem Schicksal überlassen. Und dank momentan mannshohen Brennesseln fehlte dem armen Kerl jegliche Orientierung. Folglich saß er mit ratloser Miene auf der nächstbesten Stange.

Mein Angebot, ihn runterzuheben, wurde abgelehnt, ich hatte ihn mittags schonmal verhaftet, um seine Kalkbeinchen mit Ballistol einzudieseln, folglich war mir nicht zu trauen.

Also die neue Sense geschnappt und eine Schneise zwischen Stall und Gockel geschlagen. Mit moderatem Scheuchen bekam ich ihn dann auf Kurs, und als er siegreich im Stall ankam, hat er natürlich höchst männlich behauptet, er hätte nur länger aufbleiben wollen…

Opa Hubert und Opa Heinrich

Diesmal entwickelte sich die Story völlig anders als ursprünglich geplant.

Schorschs Entsorgung klappte besorgniserregend pannenfrei.

Unser neuer Mitarbeiter heißt Hubert.

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Opa Hubert wurde zwecks erster Orientierungsphase zu den Damen in den Stall gesetzt. Brunihuhn ist spontan entflammt und hüpfte sofort neben ihn, Goldie war fassungslos, daß es auch weiße Hähne gibt, und schoß diagonal durch den Stall, bis sie von der linken oberen Ecke heimtückisch ausgebremst wurde.

Wer als Kind so ein „Gewehr“ für Tischtennisbälle hatte, kann sich den Stunt ungefähr vorstellen.

Außer leicht bedenklichem Krächzen der Damen herrschte Ruhe.

Ich hab mich dann trotz Wind und Regen mit Decke auf die Terrasse gelegt, einfach nur um zu hören, daß ich nichts höre.

Irgendwann hat er mal gekräht, aber von der Lautstärke her bleibt er unter den üblichen motorisierten Gartengeräten – perfekt.

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Er gehört der verbreiteten Rasse der Senfhühner an – jeder hat mal seinen Senf dazugegeben. Sein pflichtbewußtes Gesicht finde ich ganz witzig, von vorne erinnert er komischerweise an den Adler auf dem Kriegerdenkmal. Evtl. war da noch irgendwelcher streng geheimer Senf im Spiel.

Als ich dann Ausgang genehmigte, war Opa Hubert verwirrt vom Dschungelkrieg. Er wohnte vorher in einem Hochsicherheitstrakt, wo drumherum die Füchse kreisten und als Deckung nach oben gab es große Kirschbäume. Folglich blieb er erstmal in den Brennesseln und versuchte von da aus -relativ vergeblich- seine abtrünnigen Truppen von der Wiese zurückzubeordern.

Dann trat der Fall X ein: Kampfkugel Nr. 8 hatte sein klitzekleines grünes Ei gelegt und startete das anschließende Halbstundengezeter.

Hubert schweigt.

Und schweigt.

Und schweigt.

Hühnleins Schimpfkanonade dauert immer noch an.

Hubert schweigt.

Hühni brabbelt mißmutig vor sich hin.

Hubert kräht kurz („Du hast ein Ei gelegt, wo ist das Problem?“)

Hühni: „Spielverderber!“

Ich liebe ihn jetzt schon.

Die Hunderunde führte dann oben am Grundstück vorbei, damit ich mir unauffällig einen Überblick verschaffen konnte, wer wo wie und mit wem unterwegs ist.

Ich hörte ein sehr merkwürdiges Geräusch.

Die Weiber hatten es tatsächlich geschafft, Opa zu einem Alarmgezeter anzustiften – allerdings klingt das bei ihm eher, als wäre irgendein rostiges Maschinchen am Werk, und große Sendeleistung hat er auch nicht. Alles entspannt.

Nächster Programmpunkt: Mittagessen.

Sittiche evakuiert, Topf mit Curry auf den Herd, klingelt das Telefon. Vierstellige Telefonnummer, vermutlich noch wegen Schorsch.

So war es dann auch – während die erste Anzeige null Reaktionen auslöste, gerate ich diesmal laufend an muntere ältere Herren mit jeder Menge Viehzeug.

In diesem Fall hatte der Herr am anderen Ende der Leitung ein ähnliches Problem wie ich – ein überzähliger Hahn, der zu schön für den Topf war (es beruhigt mich, daß das auch Männer so sehen).

Als ich sagte, ich hätte Schorsch schon gegen einen vierjährigen Hahn eingetauscht, bekam ich einen Anschiß, von wegen Befruchtungsrate und daß der höchstens noch 2 Jahre lebt.

Sehe ich genauso, aber solange ich keine Ahnung vom Schlachten habe, wird hier nicht absichtlich gebrütet.

„Ei, dann kommst Du hierher und ich zeige Dir das. Und wenn Du Hühner hast, die geschlachtet werden müssen, bringst Du sie her, wir machen das hier, Du mußt die dann nur noch einen Tag abhängen lassen und dann kannst Du sie einfrieren.“

Ähhhmmmmmm.

Alles, was ich mir von der etwas anstrengenden Mitgliedschaft im Vogelverein versprochen hatte – einen Ansprechpartner und Beratungsdienst für die Hühnerangelegenheiten, die nicht per Google zu lösen sind- krieg ich von einem wildfremden Opa, den ich noch nie gesehen habe, angeboten.

Im Endeffekt haben wir über eine Stunde lang geschnattert und nächsten Sonntagmorgen besichtige ich sein gesammeltes Viehzeug, von Huhn über Häschen bis Täubchen, wenn ich mir alles richtig gemerkt habe.

Nach 6 Jahren politisch korrekter Eierproduktion wäre es eigentlich konsequent, sich mit dem nächsten Level zu beschäftigen.

Mal sehen, wie sich die Sache entwickelt mit Opa Heinrich.

Der Dschungel, wo er drinsteht, war die letzten 10 Jahre Wüste

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