Service-Point fürs Huhn

Gestern Abend hörte ich während der laufenden Frikadellenproduktion ein ratloses Huhn.

Es klang ziemlich nah und  auch nicht irgendwie aufgeregt, sondern „sang“ leise vor sich hin und es hörte sich für mich an, als hätte es eine Frage.

Also zwischendurch rausgeflitzt, stand da ein ratloses Sachsenhühnchen im Garten.

Als sie mich sah, setzte sie sich hin, aber greifen konnte ich sie nicht, da zischte sie weg. Kaum drehte ich mich um Richtung Haus, rannte sie mir hinterher.

Anscheinend hatte sie Houdinis Exkursion in Richtung Ausweichquartier beobachtet und die Verfolgung aufgenommen. Auf halbem Weg haben dann Mut und Ortskenntnis nachgelassen.

Da ich ihr schlecht erklären konnte, daß der Stall wieder entkrabbelt ist, spielte ich „Follow me“ fürs Huhn und mit abwechselnd anfeuernden und lobenden Kommentaren konnte ich sie tatsächlich zum Gluckenstall lotsen, auch wenn Hühnlein anscheinend ein Fan von „die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade“ ist. Erst wollte sie quer durchs Regal, dann dotzte sie gegen das Schubkarrenrad (wenn ein Huhn wohin will, schaut es stur aufs Ziel und nicht auf den Boden, weshalb auch regelmäßig durch Futter- oder Wassernäpfe getrampelt wird).

Als sie glücklich im Gluckenstall angekommen war, gab es Lob von mir und Haue von Houdini (der herzallerliebste Schatz interpretierte das als „Verdammt, ich habe Einzelzimmer gebucht!“).

Ich bin am überlegen, ob ich so ein Schild mit einem großen i unter dem Apfelbaum aufstellen soll, dann können die Hühner kommen und Fragen stellen.

Ei-Event

Da Hühner eine ziemlich eindeutige Sprache haben, bekommt man während der Gartenarbeit auch ohne ständiges Hinschauen mit, was gerade so läuft. Aktuelles Problem: eins der noch namenlosen Sachsenhühner muß sein Ei legen, ist aber mit dem Legenest aus ungeklärten Gründen unzufrieden.

Sie zischt also aus dem Stall und jammert, weil sie ihr Ei loswerden muß, der Hahn kommt pflichtbewußt angerannt, führt sie wieder in den Stall und preist mit tiefem „gruuuuh!“ das Nest an.

Die Aktion wiederholte sich mindestens drei mal, der Dicke hat wirklich eine Eselsgeduld; ich war schon leicht genervt, weil ich eigentlich ausmisten wollte, aber irgendwie schaffen es die Damen immer, genau dann auf Diskretion zu bestehen, wenn ich mich nützlich machen will.

Als ich in den Stall schaute, um mich über den Stand der Dinge zu informieren, war der Hahn vorsichtshalber vor dem Nest stehengeblieben und sprach dem kleinen Huhn Mut zu. Außerdem waren zwischenzeitlich 3 alte Hennen im Stall aufgetaucht, die sich wohl fragten, was der Aufstand soll. Das Bild erinnerte irgendwie an Krippenspiel mit Hühnern als Hauptdarsteller.

Bei soviel Beistand muß es ja klappen mit dem Ei.