Flederlis Poolparty

Es gibt auch noch eine Serie „soll ich – soll ich nicht- es könnte Spaß machen – ach, ich weiß nicht so recht“-Fotos. Aber da es ja morgen warm werden soll, erstmal die Fotos, die bißchen Abkühlung bringen.

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Stimme aus dem Hintergrund

Gestern war kreative Resteküche angesagt: Schinkenwürfel und TK-Blumenkohl sollten gratinmäßig kombiniert werden, damit die Sache auch satt macht, rührte ich noch diverse Kühlschrankfunde zusammen, die ordentlich Fett, Eiweiß oder Geschmack lieferten, darin sollten die Röschen eingebettet werden.
Noch war ich von meiner eigenen Erfindung nicht sehr überzeugt: „Ich hoffe, das schmeckt – bis jetzt sieht es ziemlich obskur aus!“
„Ja“, bestätigt Sherlock wohlgelaunt.
„Vogel – in manchen Situationen wäre etwas weniger Ehrlichkeit wünschenswert!“
(Geschmeckt hat´s dann doch sehr gut)

Ausgewogener Haussegen

Seit paar Tagen hat Sherlock seine Mauser-PMS beendet und ist wieder ein richtig netter Vogel.
Lilly darf, ohne angegiftet zu werden, leckere Sachen essen (außer bei Feuerdornbeeren – es gibt schließlich Grenzen!), und zwischendurch setzt er sich hin und quatscht uns was vor.
Heute hatte ich ihnen zum Frühstück je ein Löwenzahnblatt und eine Schafgarbenblüte reingelegt. Als ich zwecks Mittagessen vor mich hin schnipselte, war hinter meinem Rücken plötzlich wildes Geflatter und Geziepse – und ich sehe: einen hoch aufgerichteten gelben Vogel, der mit offenem Schnäbelchen sein Grünzeug verteidigt und entrüstet piepst.
Sherlock verkrümelte sich reichlich verdattert in die untere Etage und rätselte, was da grade schiefgelaufen ist.
Anscheinend wechseln die Beiden immer ab mit dem Zankteufeln – Sherlock war allerdings in den letzten Wochen ein denkbar schlechtes Vorbild.

Gesangsunterricht

Bahnbrechende Erfolge haben wir beim Clickertraining noch nicht – unter anderem, weil wir die Ausflüge auch mit Futtersuche kombinieren, damit Sittichs sich auch bewegen und nicht nur faul in die Gegend blinzeln. Folglich sausen sie überall in der Küche herum und ihre Aufmerksamkeitsspanne ist eher gering.
Da Lilly inzwischen regelmäßig neben mir auf der Stuhllehne sitzt und ihren Überfall auf die Müslischüssel plant, wollen wir ein spezielles Sitzplätzchen basteln, wo die Kleinen dann wissen „wenn ich hier hocke, kann ich Belohnungen abgreifen“.
Sherlock hat noch bißchen Angst vor dem Clicker, heute nachmittag haben wir dann -ohne zu klicken- Gesangsstunde abgehalten.
Er hat ulkige Töne gemacht und durfte danach eine Beere vom Feuerdorn abbeißen. Die Aktion verlief zur beiderseitigen Zufriedenheit – ich schätze, wenn er erstmal begriffen hat, worum es geht, ist der verwöhnte kleine Kasper mit Feuereifer dabei.

Gelbes Schreckschräubchen

Witzig – jedes Mal, wenn Lilly am Vortag ein Abenteuer überstehen mußte, ist sie auffallend aufmüpfig. Heute hockte sie auf der Sitzkordel, gelber Popo zum Publikum, und war mit Frisieren, Selbstfindung oder sonstwas beschäftigt.

Sherlock dockt auf ihrer Höhe außen am Gitter an und sie geht wie ein Kastenteufel auf ihn los, als Ausrufezeichen mit aufgesperrtem Schnäbelchen. Sherlock quäkte, ob vor Schreck oder weil sie ihm ins Füßchen gezwickt hat, konnte nicht geklärt werden.

Für die nächsten Stunden hat er sie weiträumig umflogen.

Später wurde seine Laune per Mirabelle wiederhergestellt. Madame saß ratlos davor: „Is nich grün!“

Falsches Frühstück

Wir haben hier noch eine „richtige“ Bäckerei nach alter Väter Sitte: Montags ist zu, Mittwochnachmittag ist zu, dafür schmecken aber Brot und Kaffeestückchen nicht nach Bäko-Einheitsrezept. Und sie machen meiner Meinung nach die weltbesten Schokocroissants (mit gigantischen Ausmaßen).

Die meiste Zeit des Jahres widerstehen wir diesen Verlockungen tapfer, aber jetzt hatte ich mal wieder Lust auf Schokohörnchen, also beschlossen wir, die heimische Wirtschaft zu unterstützen und die Sache gleich zu einem Dekadenzfrühstück auszuweiten.

Der herzallerliebste Schatz zog hinaus, um Brot und Hörnchen zu erbeuten, ich war für fluffiges Rührei zuständig, und Sherlock klebte gespannt wie ein Flitzebogen am Gitter – so lange gekocht wird, haben die Geierleins Hausarrest.

Als die heiße Pfanne außer Reichweite und die Herdplatte sittich-sicher abgedeckt war, durften die Kleinen ihre Morgenflatterrunde starten.

Sherlock war fasziniert. Er wurde immer größer und marschierte als gelb-grünes Ausrufezeichen mit aufgeregtem „huphuphuphuphup“ über den Tisch und inspizierte alles, was da zu finden war. Von Lachs und Butter wurde er wohlweislich ferngehalten, den Brotkorb fand er ganz aufregend, und als ich ihm einen knusprigen Krümel anbot, jubilierte er in den höchsten Tönen.

(Alter Heuchler: normal ist alles indiskutabel, was keinen Kern hat. Würden wir nicht auch Brot essen, hätte er den trockenen Krümel vermutlich wieder ausgespuckt.)

Und Lilly?

Die fliegt auf den Tisch, trippelt zu meinem Platz und schaut ratlos: kein Müsli.

Beim dritten Anlauf wurde die gesamte Körperhaltung ein einziger Vorwurf: kein Müsli?

Ich bot ihr ein Rührei-Atom an, nach vorsichtigem Test-züngeln wurde das dann gnädig gemümmelt.

Danach setzte sie sich als kleines, gelbes Müsli-Mahnmal ins Regal und war damit beschäftigt, möglichst unglücklich auszusehen.

(Sherlock mußte zwischenzeitlich noch gewaltsam aus dem Wurstzipfel entfernt werden.)

Das fliegende Nagetier

Ihr müßt heute langsam lesen, weil ich nicht so schnell tippen kann… um meinen linken Daumen habe ich einen Lappen mit Eiswürfel gewickelt, was die Tippgeschwindigkeit deutlich reduziert.

Und warum das alles?

Weil Frau Vögelchen (wie sich herausstellte) keinen Bock auf Pediküre hatte.

Wir hatten uns Sorgen um Lilly gemacht, weil sie nur verpennt in der Ecke hockte, ab und zu würgt sie ein bißchen und niest. Das Verpennte könnte von der Mauser kommen, und bei dem „Wiederkäuen“ frage ich mich, ob sie sich das vielleicht angewöhnt hat, weil sie in ihrem alten Domizil keine Steinchen als Verdauungshilfe picken konnte. Aber halt alles nur Vermutungen, und wenn sie dann vor sich hin fluffelt, sieht sie ziemlich Badeenten-förmig aus und ich fragte mich, ob sie jetzt einen dicken Kropf hat oder nicht.

Da sowieso noch ein Pediküretermin für beide Geier ausstand, wollte ich die Gelegenheit nutzen und den verpennten gelben Ball pflücken, da kann man außer Krällchen knipsen auch gleich mal den Kropf abtasten.

Der herzallerliebste Schatz wies noch darauf hin, daß ich ohne Handschuhe ins Gefecht ziehe, aber ich halte Sherlock für pfiffig genug, daß er beim Anblick der Handschuhe warnt, „und außerdem hat sie ja nicht so einen Anpreßdruck wie er.“

Guter Witz.

Beim zweiten Anlauf hatte ich sie mit der Hand gefangen, das ging auch recht unaufgeregt, und dann hatte ICH ein kleines Adrenalinproblem, weil sich Madame mit ihrem rosigen, kleinen Minischnabel in die Oberseite meines Daumens verbissen hatte und sich da systematisch a la Dosenöffner entlang nagte. Morgen trage ich vermutlich unfreiwillig einen blauen Daumenring.

Folgende Versuchsanordnung: zappelnder und nagender Vogel, für dessen Bändigung zwei Hände gebraucht werden, und Handschuhe in der Hosentasche, plus geringfügiger Zeitdruck, weil Frau Vögelchen inzwischen eine gewisse Routine entwickelt hatte.

Wir lösten das Problem, indem sie erstmal einen Handschuh ohne Inhalt zum knabbern bekam, da hat sie sich auch gleich energisch rein verbissen, über meine rechte Hand zog der herzallerliebste Schatz den zweiten Handschuh und dann konnte ich das kleine, gelbe Nagetier etwas entspannter festhalten.

Krällchen wurden gekürzt, der Kropf fühlte sich nicht hart an, und Frau Vögelchen bekam ein Basilikumblatt zum Trost.

(Warum eigentlich? SIE wurde ja nicht gebissen…)

Bißchen angepißt war sie aber doch, als Sherlock sie später nervte, hat sie zurückgehackt. Danach war erstmal Action in der Voliere.

Heute abend ist Sherlock dran, dann sind morgen wenigstens beide sauer auf uns.

Testlauf – kleine Bildergeschichte

Zwar braucht das Fotomodell dringend eine Pediküre und ein paar neue Federn (wobei er NACH erfolgreicher Fußpflege aus Zorn wieder ein paar Federn abwerfen wird), und die Bildqualität ist auch nicht so doll, weil man einen Vogel ja nicht direkt mit voller Festbeleuchtung blitzen kann – aber ein Versuch war´s wert.

Die Vorgeschichte: nachdem die Geier total fasziniert waren von den Zwiebel- und Knoblauchtöpfen und da ewig an den Lüftungslöchern rumpulen konnten (Sittichlogik: je unerreichbarer, desto spannend), die Beute -meistens Knoblauchschalen- aber in keinem Verhältnis zum Aufwand stand, hatte ich mich erbarmt und Hirserispen in die Töpfe gelegt.

Aber auch die sind irgendwann geplündert.

Nur ist „leer“ für Sherlock keine Option, deshalb hat der herzallerliebste Schatz für eine Endkontrolle den Deckel abgemacht, und Sherlock nutzte die Gelegenheit zum Abtauchen.