Der Widerstandssittich

Lilly geht es deutlich besser. Wenn ich sie morgens und abends zwecks Medizin pflücken muß, werde ich wieder fachgerecht bedroht 🙂 .
Zum Einsammeln habe ich an beiden Händen Handschuhe, wenn ich dann mit den kleinen Spritzen das Schnäbelchen treffen muß, ziehe ich den rechten Handschuh aus.
Die Gelegenheit nutzte Frau Vögelchen heute, um sich mit ihrer fachgerecht geschärften Schnabelspitze in meinem Handballen einzuhaken, um sich daran aus der linken Hand rauszuziehen.
„AAAAAAAAH!!!!“
Als wir uns wieder sortiert hatten, schaue ich mir die Spritze an – im ersten Schreck hatte ich draufgedrückt, das schleimlösende Zeug ist jetzt auf dem Handschuh. Naja, heute ist das nicht mehr so tragisch, Antibiotika ist drin, Teilsieg für Vögelchen.
Sie schwirrt auch wieder rum – die ersten Tage hatte ich Stubenarrest verordnet, damit sie es nicht übertreibt oder von Sherlock gescheucht wird.

facebook weniger lustig

wenn sich dann eine arbeitslose Nuß, schwanger und in 1-Raum-Wohnung, folglich Osten, einen einzelnen Ziegensittich holt, beschließt, Kollegin gibt´s erstmal keine, weil schon in der Voliere kein Platz für einen zweiten Vogel ist (!) plus kein Geld und Baby geht erstmal vor… und dann fühlt man sich angegriffen, wenn die restlichen Vogelhalter höflich (!) drauf hinweisen, daß das keine tolle Idee ist.

Anscheinend hat sie vorsichtshalber alles wieder gelöscht – meiner Meinung nach wäre es eine erwachsene Einstellung gewesen, sich bei kein Geld und kein Platz einfach keinen Vogel zu kaufen.

Keine Ahnung, warum man da nicht selbst drauf kommt. Und einer der Gründe, warum es hier keinen vogeligen Nachwuchs geben wird (selbst wenn Sherlock irgendwann wieder drauf kommt, wie das geht) – es sind einfach zu viele Deppen unterwegs, die sich aus Lust und Laune heraus mal schnell einen Geier kaufen.

Und seit ohne Prüfung gezüchtet/vermehrt werden darf, sind ja noch mehr Vögelchen auf dem Markt, die den Preis drücken und die Spontankäufe fördern.

Das sind so die Nebenwirkungen vom Internet – wenn man weniger mitkriegt, regt man sich auch weniger auf.

Der Sittich als Schmutz-Tier

Perfekte Hausfrauen mit schwerer Krümelphobie müssen jetzt ganz tapfer sein – alle anderen verstehen gleich, warum ich Schaufel, Besen UND Monsterstaubsauger mit engstem Familienanschluß (nämlich aus gegebenem Anlaß meistens gleich im Wohnzimmer, wegräumen lohnt nicht) „halte“.

Man nehme: einen Sittich, Paprikakerngehäuse und, um schlimmeres zu vermeiden, kommt das Kerngehäuse in eine Schüssel. Soweit die theoretische Versuchsanordnung.

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Hurra, Paprika! Nichts wie hin!

...in der Schüssel essen ist was für Weicheier

…in der Schüssel essen ist was für Weicheier

Stirb, Paprika!!!

Stirb, Paprika!!!

Wendemanöver - so kleine Augen kriegen Sittichs nur, wenn sie was ganz Aufregendes sehen - von Erdbeere über Tomate bis Dame ist alles möglich

Wendemanöver – so kleine Augen kriegen Sittichs nur, wenn sie was ganz Aufregendes sehen – von Erdbeere über Tomate bis Dame ist alles möglich

nächstes Kerngehäuse

nächstes Kerngehäuse

Komm sofort da raus!

Komm sofort da raus!

Und jetzt zoomen wir mal raus und schauen uns das idyllische Gesamtbild an… glücklicher Sittich an Bio-Konfetti

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(wieviel noch auf dem Fußboden liegt, verschweigen wir mal dezent…)

Unkuschelig

…ist es hier heute.

Während des Entenstreiks hatte ich dann (als der Klügere) nachgegeben, mich in meinen geheiligten Klappstuhl gelegt und mich von den Hühnern in den Schlaf singen lassen.

Heute wollte ich draußen weiterbuddeln, aber es ist grau und ein nerviger Wind pfeift mir durchs Gebein.

Also habe ich mich drinnen eingeigelt (die Bude ist wieder wohltemperiert) und hauptsächlich Lilly getröstet.

Der arme Vogel ist gestern Abend einem verschärftem Grantelanfall von Sherlock zum Opfer gefallen; der herzallerliebste Schatz hat sie entdeckt, wie sie hechelnd und vor Aufregung würgend am Gitter klebte, weil Sherlock sie so übel durch den Käfig gescheucht hatte.

Sie übernachtete dann im kleinen Käfig, traut dem Griesgram aber -trotz einer ausführlichen Entschuldigungs-Triller-Arie seinerseits – noch nicht über den Weg und ist morgens erstmal auf der Kaffeedose eingeschlafen, statt zum Frühstücken in den Käfig zu fliegen.

Ich wollte sie auch nicht unter Druck setzen, mittags gab es immerhin gemeinsame Aktivitäten (hingebungsvollen Abzüngeln von Erdnußsoßenklecksen) und als Sherlock nach einem ziemlich energischen Bad tropfnaß war, nutzte ich die Gelegenheit, sie wieder zusammenzusetzen: ein nasser Sittich stellt nichts an.

Nachmittags hob sich ihre Laune, als sie die spannendsten Körner aus meinem Brot pulen durfte. Als sie allerdings im Schwung der Begeisterung mit ihren rosa Füßchen über meinen Vorzugs-Premium-Bioschinken trampelte („unwichtig und nur im Weg“ aus Vogelsicht), gab es einen dezenten Anschiß.

Jetzt hoffe ich, daß unser Abendmuffel heute friedlich bleibt. Für Lilly ist das alles ziemlich undurchschaubar, den ganzen Tag flüchtet er vor ihr, aber wenn sie sich abends auf einen Platz setzt, den er haben will (oder den er erst in diesem Moment will), bricht ein heiliges Donnerwetter los.

Wiedermal bin ich froh, daß es „nur“ Sittiche sind, bei großen Papageien oder Kakadus kann sowas richtig schiefgehen.

Kleines, hilfloses Vögelchen

Nachdem Lilly regelmäßig die geschälten Sonnenblumenkerne aus meinem Müsli geklaut hatte, kamen wir auf die Idee, Sonnenblumenkerne als „harte Währung“ einzusetzen, wenn wir was von ihr wollten.
Hat ja auch geklappt, sie hat sich inzwischen von einem schüchternen Vogel in eine entzückende, gelbe Schmeißfliege verwandelt.
Jetzt waren ziemlich zeitgleich ihre Sonnenblumenkerne gammelig geworden (fehlt ja die Schutzhülle), und unsere übliche Sittichfuttermischung ohne Sonnenblumenkerne war nicht lieferbar, nur noch Großsittichfutter mit Sonnenblumenkernen.
Sherlock war begeistert und fegte wie ein grüner Staubsauger durch die Futterschale, Lilly drehte die Kerne leicht ratlos im Schnabel hin- und her und ließ sie dann wieder fallen: „Ich bin ein kleiner, schwacher Vogel und krieg das nicht auf!“
Zwischenzeitlich schaute sie uns so kläglich an, daß wir ihr tatsächlich die Kerne vorgeknackt hatten. Dann wurden sie huldvoll entgegengenommen.
Gestern gab es eine mittelschwere Krise: Sherlock hat Lilly gescheucht, Lilly hopste vor Schreck auf den Mülleimer (*so einen*), rutschte auf der glatten Fläche ab und ihr Füßchen klemmte in dem schmalen Spalt zwischen Mülleimer und Deckel.
Panisch flatternder Vogel, zu Hilfe eilender herzallerliebster Schatz, beflügelt von Horrorstorys, wo Vögelchen sich in ähnlichen Situationen das Füßchen abgerissen hatten, um wieder loszukommen.
Er drückte die Deckelkonstruktion runter, damit der Spalt größer wird.
Lilly, undankbar, wie Weiber sind, war froh, endlich einen Verantwortlichen für ihre mißliche Situation zu haben, und verbiß sich in seinem Finger.
Das machte die Sache nicht wirklich besser, wobei der herzallerliebste Schatz erstaunlich höflich blieb.
Ich griff dann den kleinen Flatterich von hinten, damit ihre Flügelchen fixiert sind und sie wieder Halt hat (ein Fuß eingeklemmt und mit dem anderen auf Glatteis ist ja wirklich eine gelungene Kombination), und prompt kam ich in den Genuß eines energisch zupackenden Schnabels.
Zum Glück an der Fingerkuppe vom rechten Zeigefinger, da kam sie dann doch nicht durch. Den herzallerliebsten Schatz hat sie so ungünstig erwischt, daß er sein erstes Sittichloch im Finger hat (bisher war ich ja immer das Opfer).
Lillymaus wurde befreit, war bißchen verschreckt, aber ansonsten unbeschädigt – und muß ab sofort ihre Kerne selber knacken oder sich an die kleinen Körnchen halten.
Über den möglichen Anpreßdruck ihres Schnäbelchens sind wir jetzt bestens informiert, die Ausrede zieht nicht mehr.

Den Sittich, den ich rief…

…den werd ich nicht mehr los.
So ähnlich geht es dem herzallerliebsten Schatz momentan.
War der Lillyvogel am Anfang höchst zufrieden damit, die Fluchtdistanz nach eigenem Ermessen bestimmen zu können (mit ihrem zu kleinen Käfig kam ja Freund & Feind zu dicht an sie ran), hat sich das inzwischen dank Sonnenblumenkernen deutlich geändert.
Es begann mit wiederholtem Körnchendiebstahl aus meiner Müslischüssel, dann bekam sie die Körnchen auf der Fingerspitze hingehalten, als das klappte, fing der herzallerliebste Schatz an, das Körnchen immer weiter oben auf seinem Arm zu deponieren, bis Lilly auf seiner Schulter saß.
Je nach Laune wird das Körnchen als Takeaway mit in den Käfig genommen oder -meistens, wenn man gerade Holz nachlegen müßte oder aus anderen Gründen keinen Geier auf der Schulter braucht- sie setzt sich höchst ordentlich hin; balanciert auf einem Füßchen und hält in dem anderen den Kern, von dem sie mindestens fünfmal abbeißt. Das dauert…
Ein typischer Morgen sieht so aus, daß der herzallerliebste Schatz sich hinsetzt, die Zeitung aufblättert und dann kommt ein gelber Vogel quer über den Tisch gehopst, trippelt seinen Arm hoch, positioniert sich auf der Schulter mit großen Kulleraugen und „ich bin süß!“ auf dem Display.
Glaubt jetzt nicht, mit einem Körnchen wäre das erledigt – an manchen Tagen ist sie wie Pattex, kaum wurde sie per Bestechung auf meine Hand gelotst, hopst sie runter, zischt wieder seinen Arm hoch – „bin immer noch süß!“.
Wie soll man den Vogel jetzt höflich loswerden? Außerdem kann sie auch nicht Unmengen Sonnenblumenkerne essen.
Da sie jetzt definitiv nicht mehr schüchtern ist, will ich es nochmal mit Clickern versuchen. Der „echte“ Clicker hat den Vögeln Angst gemacht, meine Reitlehrerin, die fast alles clickert, was sich bewegt, hat empfohlen, für so kleine Tierchen einfach einen Kugelschreiber zu nehmen.
Davon ist genug im Haus, fehlt noch ein Zauberstab, genannt „Target“ (=Ziel), an den sich das Tier gewöhnen soll, damit man ihm z.B. zeigen kann, wo es sich hinsetzen oder wo es entlanglaufen soll.
Für Sittiche ist mir ein Stöckchen überdimensioniert, aber im Bad vegetierte noch so eine ungenutzte Dentalzwischenraumtannenbäumchenzahnbürste herum, mit wunderbar rotem Kopfstück.
Das Tannenbäumchen mit Drahtkern wurde wegen Verletzungsgefahr per Zange gerodet und voila – es ist perfekt.
Lilly machte allerdings ihr „das ist kein Körnchen!“-Gesicht, als ich ihr das Ding zum Besichtigen und Beschnäbeln hinhielt (unsere Sittiche sind recht selektiv mit ihrer Neugier – alles, was man nicht essen oder zerlegen kann, ist laaaangweilig), deshalb werden momentan die Körnchen mit der Zahnbürste serviert.
Mal sehen, wann sie kapiert hat, daß es Futter gibt, wenn man dem Ding hinterherzischt.
Noch schwieriger ist beim Clickern, das WIR diszipliniert und konsequent sein müssen – ich bin gespannt.