Es geht voran mit den Herren

Flederli hat heute zum ersten Mal von mir das „edededededd!“ zu hören bekommen, was die Kurzform ist für „es besteht zwar noch keine Gefahr für Leib und Leben, aber such Dir trotzdem unverzüglich eine andere Freizeitbeschäftigung!“

Gemeinsames Frühstück von Sittichs und Obervogel, ich lese Zeitung, die Kerle toben durch die Küche. Irgendwann vergnügtes Quitschen von Flederli. Prima, der Vogel hat Spaß, ohne hochzusehen feuere ich ihn an.

Einen Artikel später Kontrollblick – die freche gelbe Banane hockte auf der zum Trocknen umgedrehten Salatschleuder und versuchte, die Anti-Rutsch-Punkte rauszuoperieren.

Alles, was Gummi ist, schnäbelt sich anscheinend ganz toll, da die Verdaulichkeit vermutlich nicht so optimal ist, gibt´s in solchen Fällen einen Verweis.

Genau in diesem Moment hat er auch noch beschlossen, seine Fluchtdistanz zu mir zu reduzieren, so daß ich jetzt, wo ich ihn eigentlich gerne da weg gehabt hätte, einen wohlgelaunten Vogel vor mir sitzen hatte, der auf jedes „Take off!“ fröhlich mit „ey!“ antwortete. Normal hätte ich bei „Take off!“ die Schwanzfeder gestreichelt, was meistens erboste Flucht zur Folge hat, aber diesmal war es der größere Fortschritt, daß er nicht gleich fassungslos abschwirrte.

Zweimal hatte ich jetzt schon den Eindruck, daß Sherlock Flederi zum Spielen abholt 🙂 , heute haben sie wieder gemeinsam geschlafen und ich habe Flederlis Voliere rausgenommen, was zur Zeit irritiert schwirrende Sittiche zur Folge hat. Aber da es sowohl gestern Abend als auch heute Morgen keine größeren Zankteufeleien von Sherlock gab, will ich sie mal bißchen zu ihrem Glück zwingen. Dann kommt Flederli an die tolle Lampe und ich wieder an meine Küchenschublade…

Wetterbericht für die Chronik

Ich fasse zusammen: wir haben 4. Advent, ich pflanze ohne Jacke eine kanariengelbe Rose für einen kleinen, gelben Vogel, eine andere Rose blüht, beim Hühnerfutterdealer entdeckte ich eine zu allem entschlossene, halbrote Erdbeere, die Motorradfahrer schwärmen aus, in der Küche schwirrt ein nicht näher identifiziertes Insekt ohne Mütze und Schal, Herd wird nur abends angeheizt, das Jahr ist fast rum und ich bin noch an der ersten Palette Brennholz.

Wenn es nach den gesammelten Schnabeltieren geht, kann es so bleiben.

Und ich hatte heute ernsthaft über „Maibowle zu Weihnachten“ nachgedacht, da es dem Waldmeister im Beet prächtig geht.

An der Sittichfront bin ich der einzige im Marabu-Modus – ich dachte ja die ganze Zeit, Sherlock wäre so ruhig, weil er sich an Lilly angepaßt hat. Deshalb wollte ich auch Flederli dazuholen. Allerdings war mir schon aufgefallen, daß er, wenn ich sie zum Aufwärmen ins Wohnzimmer gesetzt hatte, dann morgens nicht „wo ist meine Kollegin?“ zeterte, sondern nur mal freundlich nachfragte, ob ICH da bin und wann es Frühstück gibt.

Tja, und jetzt – er ist wie ausgewechselt. Quietschvergnügt im Wortsinn – anscheinend hat er den kleinen Lillyvogel als absolut bedrohlich eingestuft und quasi „schreckensstarr“ nur das Nötigste erledigt.

Jetzt hopst er durch die Küche, quatscht, piepst, scheppert, sucht Höhlen, zerlegt meine Zeitung und ist „normgerecht“ frech.

Flederli nutzte seine gute Laune, um sich bekannt zu machen 🙂 . Gestern hat er eine größere Rede gehalten und ist dann im Balzmodus, mit Kopfschwenken und John-Wayne-Schritten, auf Sherlock zugedackelt. Der war angemessen verwirrt, hat aber nicht gegiftet.

Mittags gab es dann mal ein Gefecht mit 3 fliegenden Federn und einem verschreckten Flederli, insgesamt ist die Lage aber eher friedlich. Zusammen schlafen möchten sie noch nicht, aber Sherlock ist schon mit einem „ich muß mal Dein Bad benutzen“ in Flederlis Batmanhöhle geschwirrt und hat sich da gemütlich geputzt (das würde er nicht machen, wenn er ihm nicht trauen würde) und Flederli darf sich ungestraft aus Sherlocks Bereich Futter holen.

Flederli ist eigentlich „Professor“ Flederli, er kann ganz toll würdevoll aussehen 🙂 (von der Kopfform her fehlt nur noch so eine Drahtbrille). Auch faszinierend: der Vogel hat einen Hals. Sherlock ist ja eher pömbelförmig, es muß schon was sehr Spannendes in Reichweite sein, damit man sieht, daß er ein GROßsittich ist. Flederli ist momentan ständig am Forschen und Ausprobieren und immer, wenn er über was nachdenkt, bekommt der Hals eine ungeahnte Länge und der Kopf geht hin und her (was dem armen Kerl dann wieder die Anrede „Du Huhn“ einbringt. Der Vogel hat viele Identitäten).

Mir traut er noch nicht so recht über den Weg, scheint aber begriffen zu haben, daß ich Essensbestellungen annehme.

Upgrade zum nächsten Level

Fledermäuschen hat Essen bestellt 🙂 .

Hier gibt es das feste Ritual, daß Sherlock ganze Opern komponiert, wenn ich anfange zu kochen. Meine Aufgabe ist es, im Falle einer Sittich-untauglichen Essensplanung für eine adäquate Ersatzlieferung zu sorgen.

Letztens hatte er sich also zuerst einen Apfelkrotzen und dann noch ein großes Paprikakerngehäuse erflötet.

Von der Paprika bekam Lilly paar Kerne ab, weil sie ja evtl. aus gesundheitlichen Gründen keinen Krawall machen kann.

Flederli ging leer aus – auch, weil seine Vorlieben noch nicht ganz geklärt sind. Unbekannte Sachen frißt er hauptsächlich, wenn Sherlock vorgekostet hat.

Alles knuspert, ertönt plötzlich ein leises „ey-teck-teck-teck-teck“.

Sherlock hat den Schnabel voll, Blick unters Fledermausdach, sitzt da der große gelbe Vogel (wenn er aufgeregt ist, was in letzter Zeit öfters vorkommt, kann er SEHR groß werden) und macht tektektek wie ein Küchenwecker 😀 .

Er bekam dann ein Salatblatt durchs Gitter gestopft (da ist sicher, daß er es mag), und es wurde kurz darauf auch angenommen.

Würde die Sache entspannen, wenn er langsam begreift, daß von mir die Geschenke kommen. Momentan ist er noch ständig auf der Flucht, wenn auch nicht sehr koordiniert (er fliegt jetzt viel, aber wie ein VW-Käfer, so „frrrrrrt-frrrrrrrrrrt-frrrrrrrrrrrt“, keine Ahnung, wie er in den Pausen in der Luft bleibt), einmal ist er vor lauter Schreck auf meinem Kopf gelandet 😀 .

Er hat sich jetzt zu Sherlocks Azubi ernannt, einmal haben sie auch gemeinsam übernachtet, aber sich anscheinend die ganze Nacht gegenseitig belauert, Flederli ist jedenfalls morgens sofort zurück in die eigene Voliere. Tagsüber waren sie auch schonmal alle 3 in der großen Voliere, klappt ohne Zoff, aber sie bestanden dann auf getrennte Schlafzimmer.

Sittichabitur bestanden

Fledermäuschen schaute mich gerade sehr stolz an, mit einem respektablen Holzstück im Schnabel, was ursprünglich in die Rückwand der Voliere gehörte.

Ein Loch in der Tapete hätte mir eigentlich gereicht 😀 (das entspricht dem „Seepferdchen“ für Sittiche).

Sherlock hockt fassungslos draußen. Gelbe Vandalen, die seine Bude zerlegen…

Fledermaus im Nage-Rausch

Heute Morgen das übliche Frühstücksritual: ein kulinarisches Highlight für die Sittichs (in diesem Fall wieder eine umfassende Gemüse- und Salatspende der Zeitungsfrau) kommt auf der einen Seite auf den Tisch, auf der anderen Seite sitze ich mit Salat und Zeitung.

Sherlock stürzt sich auf die Geschenke, Lilly entscheidet nach Tagesform, ob sie bei mir klaut („ist das mit Dressing?“) oder lieber Sherlock in Angst und Schrecken versetzt, und Fledermäuschen hat eine Portion auf seinem „Balkon“ liegen, damit er lernt, wo der Ausgang ist.

Ich studiere die Qualitätsmedien, um mich herum schwirrt und trippelt es, und 3 Artikel später fehlt mir ein gelber Vogel. Ein großer gelber Vogel. Lilly krümelt mit Paprikakernen im Regal.

Man glaubt gar nicht, wie unsichtbar so bunte Vögel sein können – ich habe schon Sherlock verzweifelt gesucht, während er, bewegungslos wie eine Schildkröte, direkt vor meiner Nase saß.

Alle üblichen Sitzplätze und Verstecke überprüft, da entdecke ich lange Schwanzfedern, die aus Lillys Schlafhäuschen rausschauen. Und das auch noch in dem Moment, wo ich die Wunderlampe hochfahren höre.

Die Fledermaus kann anscheinend sowohl Gedanken- als auch die Uhr lesen, gestern hatte ich noch überlegt, wie ich die Wunderlampe umsetzen kann, so daß Vlad auch mal bißchen Vitamin D abkriegt.

Damit er sich in Ruhe sonnen kann, wurden Lilly und Sherlock ausgesperrt, was prompt fassungsloses Herumschwirren zur Folge hatte – der Käfig ist nie so spannend, wie wenn die Tür zu ist.

Die Sache mit dem Sonnenbad war für eine Fledermaus allerdings nicht nachvollziehbar – er verließ relativ schnell das Solarium und geriet in eine Art Nage- und Erkundungsrausch 😀 . Er turnte entzückt kreuz und quer durch die Voliere und knusperte an den Zweigen, die Sherlock seiner Meinung nach übersehen hatte.

Begeisterter Sittich an Zwetschenbaum

Begeisterter Sittich an Zwetschenbaum

Lilly hat sich, kooperativ wie meistens, in ihren Schlafkäfig verkrümelt und bekam für ihre Mitarbeit eine ordentliche Portion Geschenke.

Sherlock saust währenddessen fassungslos um die Voliere herum und macht ratlose Geräusche – es ist ziemlich putzig.

Vlads Voliere zu plündern macht wohl nur dann Spaß, wenn auch der Eigentümer zuhause ist.

Bis Mittag muß Sherlock noch verzweifelt außen am Gitter kleben, bis dahin dürfte sich Vlad soweit orientiert haben, daß er notfalls auch ein heiliges Donnerwetter verkraftet, wenn das großmächtige Hähnchen wieder rein darf.

ratloser Sittich wartet auf den Schlüsseldienst

ratloser Sittich wartet auf den Schlüsseldienst

Richtig spannend wird es, wenn Lilly auch noch dazukommt. Ich fürchte, dann wird das hier wie in einem Flipperautomat – abwechselnd scheuchen sich die Hähne oder flüchten in beiderseitigem Einvernehmen vor den kleinen gelben Drachen. Dick wird hier die nächste Zeit niemand 😉 .

Sittich-Triathlon

Nach einer Woche hartnäckiger Fledermaustätigkeit (unterm Dach klemmen und die Welt beobachten) habe ich gestern unseren neuen Mitbewohner zum Spaßhaben erpreßt. Die Parole lautete: Gegessen wird draußen.

Der Futternapf wurde beim Käfigausgang außen angehängt, und da Fledermäuschen lieber zu Fuß geht, auch noch eine Art Sittichleitsystem eingerichtet.

Irgendwann wagte er sich tatsächlich vor die Tür – alles nur kletternderweise- bis Sherlock befand, es wären seine Körnchen, und Vlad einen Alarmstart hinlegte, den er sich vermutlich selber nicht zugetraut hatte.

Er fliegt wie ein Kolibri – hohe Drehzahl, aber kein Vorschub. Ich habe immer Angst, er plumpst runter.

Er flüchtete ins Regal, war dann aufgeregt genug, noch paar Runden zu drehen, saß irgendwann mit einem Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Panik und Begeisterung auf einem Vogelspielzeug unter der Decke (paßte ja schonmal in sein Täterprofil) – und dann kam die Frage: wie parke ich den Vogel wieder ein?

Lilly beim Frühstück - heute gab es Rosenknospen

Lilly beim Frühstück – heute gab es Rosenknospen

Er hatte sich bis zur großen Voliere vorgearbeitet, trippelte da auf dem Dach rum, wollte aber nicht runterkommen.

Sherlock war so taktvoll und mampfte fleißig Körnchen, so als Motivationshilfe („Zeit zum Abendessen!“)

Vlad turnte an der Seitenwand runter, ich feuerte fleißig an, aber statt daß er auf den Boden hüpft und zu seiner Voliere rüberdackelt, kletterte er wieder hoch. Standortwechsel sind nicht so seins, und Kanten ein unüberwindbares Hindernis. Er kennt anscheinend nur Innenkurven.

Zwischenzeitlich hatte ich eine Knusperstange als Einparkhilfe an seine Voliere gehängt.

Ich mußte weg zum Malkurs, Vlad war zwischenzeitlich wieder bis aufs Volierendach geturnt und schielte von da aus rein zu Sherlock (den gefährlichen kleinen gelben Vogel hatte ich vorher schon anderweitig geparkt).

Ob er vielleicht lieber bei Sherlock schlafen will?

Sollen die das klären. Zwar lasse ich neue Vögel nicht gerne alleine frei rumturnen, weil die immer mal eine neue Gefahrenquelle entdecken, aber es tat sich ja nix.

Bis hierher und nicht weiter - Fledermaus heute wieder nur mit Verpackung erhältlich

Bis hierher und nicht weiter – Fledermaus heute wieder nur mit Verpackung erhältlich

Volierentür von Sherlock aufgemacht, eine Ansprache gehalten und mich gefragt, wie die Sache wohl ausgeht.

Beide in einer Voliere oder 2 Stunden lang Sittichmikado – anstarren und keiner bewegt sich?

Wunder über Wunder – jeder hockte abends in der richtigen Bude, Fledermäuschen mit pflichtbewußter Miene. Anscheinend hatte Sherlock paar Takte gesagt.

Nach so vielen Abenteuern hatte er heute vermutlich Muskelkater, außer bißchen Klettern und paar Kommentaren kam nicht viel von ihm. Aber er hat gebadet, als ich grade nicht in Reichweite war – also alle Sittich-Grundfunktionen vorhanden.

Fehlt nur noch die erste eigene Sachbeschädigung.

Sherlock im Partymodus

Sherlock im Partymodus

Vorsichtige Annäherung

Die Sittich-Zusammenführung gestaltet sich unerwartet unspektakulär, aber drollig.

Nachdem Sherlock respektvollen Abstand hielt, wenn Vlad -durch Gitter getrennt- in seine Nähe kam, habe ich es riskiert und von Vlads Voliere beide Klappen aufgemacht, während Sherlock und Lilly durch die Küche geisterten. Da die beiden diese Voliere als ihr Spielparadies kannten, hüpfte Sherlock prompt rein, um Vlads Geschenke zu kassieren.

Irgendwann schaute er zufällig nach oben und entdeckte die gelbe Fledermaus.

„Oh Scheiße – gelber Vogel. Jetzt bloß nicht auffallen.“ Er knusperte weiter und dackelte betont unauffällig Richtung Ausgang.

Lilly verübte auch noch einen Überfall und irgendwann war Vlad so aufgeregt, daß er eher zufällig aus der Voliere hopste und eine Runde durch die Küche schwirrte.

Wie bei allen Neuzugängen vorher, war nicht das Fenster, sondern die weißen Schranktüren das Problem.

Er dozte dagegen (zum Glück fliegt er ziemlich ungeübt und mit wenig Schwung), stürzte ab und hopste verschreckt hinter die Kaffeemaschine.

Irgendwann hatte er sich dann bißchen erholt, die Kaffeemaschine erklommen und beschlossen, von da nicht mehr wegzugehen. Sherlock hockte mit Abstand daneben und die zwei Helden bewachten sich gegenseitig – abwechselnd machte Sherlock leise „ja“ und Vlad antwortete mit höflichem „kek?“.

Eigentlich wollte/mußte ich die Küche von Sittichspuren befreien, aber die beiden Helden saßen da geschlagene 45 Minuten, und ich wollte Vlad auch nicht erschrecken.

Der hat dann seine Voliere mehrfach umklettert, aber genau die Seite mit dem Eingang nicht gefunden („wenn ich nur Flügel hätte…“), als ich das nächste Mal in die Küche kam, hat er sich in Lillys Schlafkäfig einquartiert. Nach den ganzen überstandenen Abenteuern mußte er sich auch erstmal ausgiebig unterm Flügel putzen.

Abends konnte ich ihn dann zum Umzug in seine Fledermaushöhle überreden.

Gestern hatte ich Besuch und Vlad Stubenarrest, damit er uns nicht in seiner Unkompetenz die Küche blockiert.

Heute war Sittich-Verwöhntag, es begann mit einem gemeinsamen Frühstück (ich Toasties und Paprika, Sittichs Paprikakerne und Beeren).

Den Sinn von Feuerdornbeeren hat Vlad zwischendurch von Sherlock demonstriert bekommen. Außerdem hatte ich ihm bißchen Eisbergsalat spendiert. Den schleppte Sherlock, der sonst Eisbergsalat todlangweilig findet, fröhlich wieder aus Vlads Bude raus. Lilly turnte auch mal frech quer durch die Voliere und verschaffte sich per drohend aufgesperrtem Schnäbelchen sogar Zutritt zu dem Futternapf.

In Sachen „Panik vor Lilly“ sind sich die beiden Herren schonmal einig. Sherlock hat sich sogar zwischendurch mal bei Vlad in der Voliere geparkt für eine Pause.

Vorher gab es aber nochmal Unstimmigkeiten, als Vlad auch mal rauskommen wollte, ist er mangels Flugkünsten prompt auf den armen Sherlock geplumpst (Landung a la Albatros), was bei Sherlock den sofortigen Rückzug zur Folge hatte und Vlad knispelte schnell paar Beeren auf dem Tisch und verkrümelte sich dann wieder dezent in sein Dachgeschoß – Bedarf an Aufregung gedeckt.

Dank dem trüben Wetter ist es heute ziemlich ruhig im Hause Sittich – bin gespannt, wie es wird, wenn wieder die Sonne scheint und sie alle aufdrehen. Vlad ist jedenfalls schon deutlich lebhafter und war zwischendurch so aufgeregt, daß er im Sitzen mit den Flügeln flatterte. Seine Alltagsgeschäfte erledigt er aber nur zu Fuß – für die Flügel ist noch eine Ergotherapie fällig.

Sittichschulung Teil 1

Versuchsanordnung: skeptischer Vlad klemmt unterm Dach, vor die Voliere kommt eine Auflaufform mit einem prächtigen Zweig voller Feuerdornbeeren. Innen auf den Volierenboden auch ein Sträußchen Feuerdornbeeren.

Lehrgangsleiter ist Sherlock, der wie ein Hochleistungsshredder wild knipsend über die Beeren in der Auflaufform herfällt. Er macht das wirklich sehr gewissenhaft 😉 .

Auf der mittleren Ebene taucht der schüchterne Vampir auf, mit schäggelegtem Kopf beobachtet er das Beerenmassaker.

Nach sorgfältiger Risikoanalyse turnt er am Gitter runter, pickt ein paar rumliegende Körnchen auf, scharrt sogar zweimal, trinkt ordentlich (da war ich mir die letzten Tage nicht so sicher), nähert sich dem Beerenzweiglein, hat aber das Prinzip noch nicht ganz verstanden und statt an den Beeren an einem Blatt geschnäbelt. Das ist anscheinend geschmacklich nicht überzeugend.

Nachdem er damit alle Pflichten eines Sittichs erfüllt hat, verkrümelt er sich wieder auf seinen Beobachtungsposten.

Sittich-News

Das Vampirbanänchen wird langsam mutiger. Heute Morgen ist er noch prompt in seinem „Dachgeschoß“ verschwunden, als ich in die Küche kam, abends blieb er dann tapfer auf halber Höhe sitzen und wir besichtigten uns quasi gegenseitig.

Als Sherlock dann aber quer über den Tisch tobte und wild raschelnd durch Zeitungen und Bäckereitüten hopste, verschwand Vlad („Ohgottohgott, er will sich umbringen, ich kann es nicht mitansehen!“) eilig wieder außer Sicht.

Sittichs lernen viel durch abgucken und ich halte momentan konsequent Diskretionsabstand, wenn er sich mal aus der Deckung traut, von daher denke ich, in ein paar Tagen wird er auch angemessen frech werden.

Weil er bis jetzt kaum auf dem Boden frißt, wo die ganzen Geschenke liegen, und zwecks Teambuilding, bekommen Sherlock und Lilly ihre kulinarischen Highlights direkt vor Vlads Domizil serviert, in der Hoffnung, daß er sich dann auf der anderen Seite des Gitters dazugesellt. Mal abwarten.

Lilly geht es 1 Tag nach der Behandlung deutlich besser, sie kam seit langem mal wieder auf meine Schulter geschwirrt und wollte ein Körnchen haben 🙂 .

Tür an Tür mit der Vampirbanane

So, der neue Kollege ist da und mußte gestern noch umgetauft werden, weil er ursprünglich „Luna“ hieß und mir das mit „Luna (quak)“ und Luna (ekekekekek!) langfristig zu kompliziert erschien.

Er ist so gelb wie Lilly, hat auf einer Seite ein rotes Auge und demonstrierte, nachdem er sich vom Einfangschreck erholt hatte, Kletterkünste, die auf Fledermäuse unter den Vorfahren hindeuteten.

Also wurde er nach der Oberfledermaus Dracula in „Vlad“ umgetauft.

Gestern Abend hat er dann nochmal Federchen gelassen, als ich ihn zum wiegen und umsetzen „pflücken“ mußte; da Lilly und Sherlock dank der Milbenbehandlung auch einen beschissenen Abend hatten, dachte ich, das sorgt wenigstens morgens für ein gemeinsames Gesprächsthema.

Ich rechnete damit, daß ich heute keinen Wecker brauche, wenn Sherlock den neuen Nachbarn entdeckt.

Denkste. Vlad saß in der mobilen Voliere gut getarnt oben unterm Dach und Sherlock weigerte sich hartnäckig, ihn zu entdecken. Ich wollte natürlich nichts verpassen und landete im Programm „sie sehen, daß sie nichts sehen“.

Nebenbei hatte ich mir Sorgen gemacht, weil das Mittel gegen die Milben (wirkt ähnlich wie eine Wurmkur, ist also ein Gift) eigentlich für alle 3 Vögel reichen sollte (ich wollte Vlad vorsichtshalber mit verarzten, damit man einmal alle Vögel „sauber“ hat), aber 0,25 ml, aufgeteilt auf 9 Tröpfchen, mit einem wild zappelnden Vogel in der Hand – das kann man vergessen. Das Zeug wird auf die Haut im Genick getröpfelt, bei Lilly konnte ich die Federchen wegpusten, sah aber trotzdem keine Tropfen. Ging dann nach dem Motto „Vogel stinkt chemisch, also schonmal Ziel erreicht“. Bei Sherlock wurde es dann ziemlich trickreich, der war stocksauer und preßte seine Federn eisern an sich. Als wir fertig waren (wortwörtlich) und ich Genosse Vlad abfischen wollte, war in der Pipette nichts mehr drin. Ich sorgenfaltete dann, weil Überdosis ja auch nicht günstig ist, aber Lilly trippelte heute morgen extrem munter herum für ihre Verhältnisse, also anscheinend alles gut. Vlad war mit dem Wiegen in der Pappschachtel schon ausreichend bedient.

Als Lilly heute morgen in die große Voliere flog, um zu kontrollieren, was Sherlock an Frühstück übriggelassen hatte, paßte dann ihr Blickwinkel und sie sah Vlad unterm Dach hocken.

„Ach – ´n Vogel. Na, Hauptsache, der will nicht mein Frühstück.“

Habe ich schon erwähnt, daß ich sehr langweilige Sittiche habe?

Irgendwann interessierte sich Sherlock für die ganzen Geschenke, die in der Rollenvoliere zu sehen waren, und entdeckte dann die gelbe Fledermaus unterm Dach.

Es passierte – fast nichts. Beide Hähnchen schüchtern. Sherlock klaute erstmal alle Kirschbaumknospen, an die er von außen drankam, und machte leise „ja“ in Endlosschleife.

Irgenwann antwortete Vlad mit einem vorsichtigen „kek?“.

Die Hauptevents waren gegenseitiges Besichtigen.

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Irgendwann traute sich Vlad, bißchen rumzuturnen und an seinem Zweig zu knipsen. Und als Sherlock sicher hinter Schloß und Riegel war, ging er zur Gegenbesichtigung über.

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Als ich vorhin nach ihnen sah, saß Sherlock immer noch als leicht verschreckter Wachtposten „an vorderster Front“, während Lilly ein Sonnenbad nahm. Vlad war bißchen rumgeturnt, verschwand aber wieder im Dachgeschoß, als ich böser Vogelfänger in der Küche auftauchte. Ich hoffe, er traut sich bald an seine kulinarischen Geschenke ran.

Hier ist das Banänchen, allerdings von Hand fokussiert wegen dem Gitter.

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