Nichtsommerfrust

Es nervt.
Aus dem Garten gibt es kaum was erfreuliches zu berichten, Brennesseln wachsen mannshoch, die sympathischen Pflanzen sind eher unmotiviert.
Kaum will ich die Brennesseln flächendeckend meucheln, paßt a.) das Wetter nicht für die chemische Keule (nach 10 Jahren habe ich mich von diversen romantische Ideen, was die biologische Un-/Beikrautbekämpfung angeht, wegen Erfolglosigkeit verabschiedet) und b.) sitzt mittendrin ein drolliges, blaues Blümchen, keine Ahnung, was das ist, aber ich möchte es behalten.
Sommerklamotten liegen nach einmal kurz getragen für Wochen ungenutzt in der Ecke, bis sie wegen der Aussichtslosigkeit auf Sonne in der Waschmaschine landen.
Gestern Abend habe ich mir die Winterdecke gekrallt, heute morgen einen langärmeligen Pulli rausgebuddelt und wenn die Wohnzimmertemperatur auf 17 Grad sinkt, schmeiße ich den Ofen an, kalt genug für pannenfreies Anheizen ist es ja morgens – leider.
An meinem im letzten Jahr gekauften/geretteten Pfirsichbäumchen -aus dessen Spitze in 2 m Höhe ich schon eine Schnecke gepflückt habe- hängt ein einsamer, tapferer Pfirsich, dem ich wohl einen Terrassenheizstrahler spendieren muß, wenn er süß werden soll.
Der Apfelbaum hat wegen dem komischen Wetter den Junifruchtfall verpennt und hängt so schwer voll, daß er bei dem stürmischen Wind Probleme bekommt. Kaum will ich die krotzigen Äpfel rauspflücken, regnet es schon wieder.
Eine Weinbergschnecke habe ich ertappt, die zielstrebig unsere Waschküche ansteuerte – anscheinend reicht´s denen auch.
Erinnert mich an 2004, da haben wir im August den Geburtstag eines Kollegen gefeiert und saßen mit Schirm und dickem Holzfällerhemd am Grill.
Wo sind eigentlich die 3 bis 4 Grad Klimaerwärmung hin?
Ich würde sie momentan dankbar annehmen.
(Außerdem bin ich sowieso schuld an dem Wetter: ich habe meine 20 Jahre alten Sonnenmilchbestände gegen eine neue Flasche ausgetauscht. Hätte ich mal besser bleiben lassen).

Geschmorte Heringe

…oder so ähnlich hätte die Überschrift zu den aktuellen Nachrichten mit Schwerpunkt Hitze+Feiertag+Schwimmbad/Pfütze/Hauptsache Wasser heißen können.
Fassungslos betrachtete der herzallerliebste Schatz Bilder von bleichen Schmorheringen und langen Warteschlangen an den Eingängen.
Ich hatte in dem Moment eine kleine Diskussion mit Sherlock, der mir ein paar Chickenwings abbetteln wollte („aber in Neuseeland…“, die üblichen Argumente).
Wir haben es hier mit 23 Grad recht angenehm in der Hütte und das Einzige, was mir zum Thema Wasser einfällt, ist, zu kontrollieren, ob meine armen, hechelnden Hühnchen genug Wasser haben.
Ansonsten lag ich mit Ramschtisch-Roman auf der Couch und übte nebenbei mit Sherlock für streßfreie Pediküre.
Versuchsanordnung: 1 Sittich, 1 Käfiggitter und der Stummel einer Pepperoni, mit ordentlich Kernen drin.
Das Ziel ist, daß er sich seine Quadratlatschen Füßchen anfassen läßt, wenn er von innen am Gitter sitzt – Grundsätzlich ist er dann bißchen toleranter, daß man ihn durchs Gitter nicht greifen kann, hat er eigentlich kapiert.
Füßchen streicheln ist ihm aber trotzdem noch ziemlich unheimlich, die Pepperoni aber unheimlich verlockend, weshalb er vorgestern als Ausweichlösung ein kleines Liedchen geträllert hatte.
Netter Versuch, aber fürs Singen gibt´s immer Rosinchen, so steht´s in der Sittich-Rahmentarifvereinbarung.
Lilly betätigte sich heute auch pädagogisch, als Sherlock nervös von der Pepperoni weghüpfte, kam der kleine, gelbe Vogel entschlossen anmarschiert und schnappte sich einen Kern.
Man glaubt gar nicht, wie motivierend das wirken kann – Sherlock kam eilig anmarschiert, sauste aber auch ziemlich schnell wieder weg.
Macht nix, wir haben noch viele Pepperonis.

Stürmisch

Der Wind heult heute kräftig ums Gemäuer. In meinem Habitat hatte ich heute nicht angeheizt, dachte aber bei den ersten Windböen; gut, daß wir keine Ölöfen mehr haben, die hätte es sicher ausgepustet.
Als ich dann beim herzallerliebsten Schatz vorbeilief, stellte sich heraus, daß momentan auch die Holzöfen an ihre Grenzen kommen – statt herzallerliebstem Schatz saß da eine Art Schwarzwälder Schatz, mit dezenter Räuchernote, weil der Sturm den Rauch aus dem Kamin zurückgedrückt hatte.
(Vielleicht sollte ich langsam mal nachsehen, ob meine Wäsche inzwischen beim Nachbarn im Baum hängt).
Mittags mußte ich in die Zivilisation, wo der Begriff „fliegende Händler“ mal neu interpretiert wurde – die Standbetreiber waren eifrig dabei, flüchtige Dächer und Preisschilder zu retten. Mittendrin ein verwundert glubschender Mops mit Bilderbuch-Mopsbesitzerin: eine Omi mit Blümchen am Hut.
Am Fischstand war Aufregung, eine wild rufende und anfeuernde Masse, die einer herbeieilenden Omi mit einem Fischpaketchen zur Belohnung winkte.
Sie hatte auch eine Erklärung für ihre Vergeßlichkeit: „Heute ist man einfach durch den Wind.“

Nicht viel Neues

…die Vögelchen haben Schlechtwetterdepressis, genauso wie die Tomaten und Paprika.

Falls es irgendwann mal nicht regnen sollte, muß ich Attilla und Smokey knipsen, mauserbedingt sehen die gerade extrem unwürdig aus.

Ich tröste mich jetzt mit Blumenbeetplanung, sowas hebt erfahrungsgemäß meine Laune.

Bilde ich mir das ein, oder ist 2013 wettermäßig ein hundsbe…scheidenes Gartenjahr?